Köln, 23. Januar 2015 – Während die Deutschen bei der Geldanlage Anfang letzten Jahres vor allem auf Sicherheit gesetzt haben, ist nun ein Trend hin zur Flexibilität zu erkennen. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Studie zum Anlageverhalten der Deutschen, die die Gothaer Asset Management AG (GoAM) von der forsa Politik- und Sozialforschung im Dezember 2014 durchführen ließ.

Gestiegen ist vor allem der Wunsch, die Geldanlage flexibel gestalten zu können. Dies wünschen sich 36 Prozent der Befragten, im Januar 2014 waren es nur rund 24 Prozent. Eine solche Tendenz zeigt sich auch bei der Risikobereitschaft: Während bei der letzten Umfrage rund fünf Prozent dazu bereit waren, bei der Geldanlage auch ein höheres Risiko einzugehen, sind es bei der aktuellen Erhebung schon fast ein Viertel der Befragten. Das Sicherheitsbedürfnis hat hingegen abgenommen. Statt vormals 57 Prozent der Anleger räumen nur noch 43 Prozent der Sicherheit absolute Priorität bei der Geldanlage ein. Auch die Rendite spielt lediglich für sieben Prozent der Befragten eine wichtige Rolle. Beim letzten Mal waren es rund neun Prozent.

 

Sparbuch bleibt Klassiker, Aktien und Fonds holen auf

Bei der Wahl der Geldanlageform ist und bleibt das Sparbuch trotz geringer Renditen das beliebteste Anlagevehikel der Deutschen: 51 Prozent der Befragten gaben an, dort ihr Geld anzulegen (letzte Erhebung: 39,7 Prozent), 35 Prozent investieren in Bausparverträge oder Tagesgeld (letzte Erhebung: 32 Prozent). Auch Kapital-Lebensversicherungen sind weiter beliebt und werden von 30 Prozent zur Geldanlage genutzt. Christof Kessler, Vorstandssprecher der GoAM, erklärt dazu: „Die Beliebtheit des Sparbuchs ist vielleicht mit seiner langen Tradition zu erklären, jedoch nicht mit der Rendite.“

Aufholen konnten hingegen Dividendenpapiere. Mit 24 Prozent liegen Investmentfonds sowie Immobilien (letzte Erhebung: 25 Prozent) im Mittelfeld, 15 Prozent platzieren die Aktien neben Festgeld (letzte Erhebung: 15 Prozent) und noch vor Anleihen (letzte Erhebung: 4 Prozent). Bei der vorherigen Befragung erreichten Fonds nur fünf, Aktien lediglich vier Prozent. Damals waren Festgeld und Immobilien beliebter (Rund 19 beziehungsweise 12 Prozent).

 

Bei Fonds wird stärker gestreut

Bei der Fondsanlage setzen die Deutschen stärker auf Diversifikation: Die Anzahl der Fonds, die die Deutschen besitzen, ist insgesamt gestiegen. Im Vergleich zum letzten Mal hat sich die Anzahl der Befragten, die in vier bis fünf oder sogar in sechs oder mehr Fonds investieren, fast verdoppelt. 21 Prozent der Deutschen haben inzwischen vier oder mehr verschiedene Fonds im Depot, 9 Prozent sogar sechs und mehr. Im Januar 2014 waren es nur 12 Prozent, beziehungsweise 5 Prozent bei mindestens sechs Fonds.

„Dieses Ergebnis zeigt, dass viele Anleger die Bedeutung der Diversifizierung erkannt haben und Chancen und Risiken breiter streuen. In der Niedrigzinsphase können gerade Mischfonds die Schwankungen des Börsenmarktes über eine breite Diversifikation ausgleichen, ohne auf Rendite zu verzichten. Ihr großer Vorteil ist, dass sie sich durch ihre vielen Standbeine an das wechselhafte Marktgeschehen erheblich besser anpassen können als reine Aktienfonds – durch die Streuung sinkt das Risiko.“, kommentiert Christof Kessler das Ergebnis. „Zu dieser aktiven Steuerung der Aktienquote ist aber auch bei den Mischfonds eine intensive und regelmäßige Analyse der Kapitalmärkte unablässig, nur so kann auf kurzfristige Marktschwankungen angemessen reagiert werden. Wer dazu keine Zeit oder Muße hat, sollte diese Aufgabe Experten überlassen. Anleger können davon insbesondere über unsere drei vermögensverwaltenden Comfort Fonds profitieren, die sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt haben.“

 

Kritischer Blick auf die Niedrigzinspolitik, finanzielle Sorgen verstärken sich

Über die Hälfte der Befragten hält die Niedrigzinspolitik der EZB für ein untaugliches Mittel, um den Problemen im Euro-Raum zu begegnen. Ein Drittel traut sich zu dem Thema allerdings gar keine Einschätzung zu. 30 Prozent fürchten sogar das Auseinanderbrechen der Währungsunion, bei der letzten Befragung waren es nur zehn Prozent. Diese Befürchtung spiegelt sich allerdings nicht im Anlageverhalten wider: Noch können sich lediglich 21 Prozent der Befragten vorstellen, ihr Geld auch außerhalb von Europa anzulegen.

Die Verunsicherung der Anleger zeigt sich auch bei der Angst vor einer Inflation: Von rund 44 auf 63 Prozent ist sie deutlich angestiegen. Ebenso haben die Sorgen um einem sinkenden Lebensstandard zugenommen: 61 Prozent der Befragten befürchten, dass ihre Geldanlagen später nicht ausreichen, um ihren jetzigen Lebensstandard zu halten. Im Januar 2014 waren es nur rund 40 Prozent. Dies betrifft vor allem die 30 bis 44-jährigen stark, hier hegen sogar 73 Prozent diese Befürchtung.

Immer mehr Bundesbürger sind zudem der Meinung, dass es durch die Schuldenkrise schwieriger geworden ist, die Ziele bei der Altersvorsorge zu erreichen: 42 Prozent der Befragten glauben, dass es durch die Finanzkrise schwieriger geworden ist, die gesteckten Anlageziele zu erreichen. Bei der Vorgänger-Erhebung hatten dies ebenfalls 43 Prozent der Befragten angegeben.

 

Quelle: Gothaer Studie zum Anlageverhalten der Deutschen wurde im Auftrag der Gothaer Versicherung von der forsa Politik- und Sozialforschung GmbH durchgeführt