geschl_fondspleitenLandshut, 20.03.2015 – Es ist viel über schlechte Fonds geschrieben worden. Insbesondere die Schiffsfonds sind in der Krise. Aber auch die 90er Jahre führten durch die Sonderabschreibung auf Immobilieninvestments zu Investitionsfriedhöfen für Anleger. An dieser Stellen wollen wir künftig Gründe herausarbeiten, warum Fonds scheitern oder funktionieren. 

Zu Beginn der Serie wollen wir zunächst einmal einen Überblick über grundlegende Probleme geben, die zu einer Störung führen können. In der Regel sind diese sehr individuell und speziell und oft dem einzelnen Produkt geschuldet. Trotzdem kann man Blöcke bilden.

Störungen durch das Management
Diese Beschreibung ist im Grunde ein Euphemismus. Denn die Störung im Management umschreibt oft den Betrugsverdacht. Natürlich kann es auch durch häufigen Vorstandswechsel oder einfach Unfähigkeit zu Fondsproblemen kommen. Aber das meinen wir hier nicht damit. Es ist der Vorsatz, der den Betrug ausmacht. Und das wird zum Beispiel den Frankfurter S&K-Gründern von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen. Allein wenn man die Unternehmensfilme über die Firmenpartys mit Elefanten oder halbnackten Mädchen betrachtet, zeigt sich ein Bild von Protz und Verschwendung. Zu diesem Zeitpunkt muss immer die Frage gestellt werden, woher dieses Geld kommt – im Zweifelsfall wohl vom Anleger. Die Staatsanwaltschaft spricht von rund 250 Millionen Euro, die mutmaßlich veruntreut worden sind. Um so erstaunlicher ist, dass nicht wenige Banken eine positive Vertriebsanalyse durchgeführt hatten.

Seit Anfang 2013 sitzen die zwei S&K-Geschäftsführer und weitere Führungskrafte aus dem rund 150 Firmen umfassenden Konglomerat in Untersuchungshaft und bestreiten die Schuld. Seit Januar 2015 liegt nun die Anklageschrift vor. Man wird sehen, was der Prozess bringen wird. Einen Verlierer gibt es bereits: die privaten Anleger!

Störung durch Partner des Fonds
Das Emissionshaus kann noch so seriös sein, wenn man auf den falschen Regional- oder Fachpartner setzt, wird es für das Investment schwierig. So geschehen beim Waldfonds 2 des Hamburger Emissionshauses Nordcapital. Man investierte in rumänische Wälder. Holzinvestments waren Mitte der letzten Dekade en vogue. Leider hatte man kein Glück mit dem Fachpartner Esterhazy und wirklich Pech mit dem Verkäufer der Grundstücke. Denn die Eigentumsverhältnisse waren in der postkommunistischen Ära in Rumänien nicht eindeutig. Nach einem Bericht der Welt am Sonntag vom 18.01.2015 scheint der Verkäufer der Wälder diese durch mafiaähnliche Strukturen erschlichen zu haben. Es ist von Bestechung und Korruption die Rede. Nun steht die Rückforderung des Besitzes durch den rumänischen Staat im Raum.

Natürlich muss sich das Management die Frage erlauben lassen, warum man sich derart naiv in eine derartige Situation hat manövrieren lassen. Konkret ist derzeit von 22 Millionen Euro die Rede, das Gesamtvolumen rumänischer Wälder bei Nordkapital liegt bei 80 Millionen Euro. Wenig Trost gibt den Anleger, dass sich nicht nur die Hamburger hier an der Nase zur Schlachtbank führen ließen, sondern auch das bereits durch die Insolvenz in der Presse bekanntgewordene Windkraftunternehmen Prokon. Kurz gesagt: Unfähigkeit bei der Due Diligence trifft auf kriminelle Strukturen. Eine unangenehme Mischung zum Schaden der Anleger.

Störung des ökonomischen Umfelds
Der Tag, der in die finanzökonomischen Bücher eingehen wird – der Frankenschock am 15.01.2015, ausgelöst durch die Schweizer Notenbank. Diese gab kurz am späten Vormittag die Eurowiderstandslinie des Franken bei 1,20 auf. Die Folge: der Schweizer Franken explodierte und pendelte sich nach kurzer Zeit bei Parität ein. Als Ergebnis heißt das, dass Produkte Schweizer Unternehmen im Euro- oder Dollarraum teurer werden, Schweizurlauber mehr zahlen müssen und vor allem Kreditnehmer aus der Eurozone für ihre Schweizer-Franken-Kredite mehr zurückzahlen müssen – viel mehr, und zwar rund 20 bis 30 Prozent, je nach aktuellem Kurs.

Die Situation ist nicht neu. Bereits in der Zeit ab 2007 war der Wert des Franken langsam gestiegen und Kreditrückzahlungsbeträge bereits um bis zu 50 Prozent gestiegen. Einige Fonds, wie der IVG London Fonds „Die Gurke“, haben sich deshalb zum Anlagedesaster entwickelt. Schweizer-Franken-Darlehen sollen noch bei den Emissionshäusern wie MPC, Wölbern, Real I.S und CFB in den Portfolios schlummern. Es wird kolportiert, dass WealthCap den Switch rechtzeitig hinbekommen hat. Die Bestätigung dazu steht jedoch aus.

Bitter sind Beispiele wie beim CFB-Fonds 159. Der Fonds, der in Eschborn investiert und 2006 emittiert wurde, hatte seine Anleger noch 2012 über einen Wechsel der Frankenkredite in Euro abstimmen lassen und als Management sich wegen hoher Kosten klar gegen einen Wechsel ausgesprochen. Die Anleger folgten diesem Rat. Noch im Anlegerrundschreiben November 2014 bekräftigte man scheinbar diese Einschätzung. Die Folge in diesem Beispiel: die Franken-Tranche des Fondskredits wurde zum Einstand 2006 mit einem Wechselkurs zu 1,5498 CHF/EUR kalkuliert. Bereits im Geschäftsbericht 2013 war der Kurs zum 31.12.2013 bei 1,2276 CHF/EUR. Nach der Entscheidung der Schweizer Notenbank am 15.01.2015 entspricht der Kurs einer Parität, also etwa 1:1 mit derzeit minimalen Abweichungen. Und das bei einer Restschuld, die zum 31.12.2015 noch rund 83,5 Millionen CHF betrug. Die Lehre daraus: Experten glauben die Wahrheit zu wissen, aber sie haben tatsächlich genau so viel Ahnung wie Laien.

Fazit
Unabhängig von den einzelnen Störungsfaktoren ist der Anleger auf seinen gesunden Menschenverstand angewiesen. Wenn Projekte in Russland, Dubai, Panama oder anderswo mit potentiellem anderen Rechtssystem oder einem korrupten Umfeld realisiert werden sollen, erhört sich das Risiko massiv, und es sollte doppelt und dreifach über eine Investition nachgedacht werden. Wenn eine Anlage nur bereits durch eine kleine Änderung des wirtschaftlichen Umfelds stark aus der Bahn geworfen werden kann, geht der Charakter des Investments eher in Richtung Wette oder Spekulation. Dies muss man erkennen und nicht blind auf Experten vertrauen. Und ein Faktor ist in der gesamten Finanzbranche nicht zu unterschätzen – der Mensch. Versuchen Sie immer, die handelnden und entscheidenden Personen persönlich kennen zu lernen. Und dann entscheiden Sie, ob Sie diesem Menschen Ihr Auto für eine Spritztour oder Ihr Kind anvertrauen würden. Ihr Geld hat die gleiche Sorge verdient.

 


Quelle: Erstveröffentlichung Beteiligungsreport 1/2015, Autor Edmund Pelikan

 

Zum gesamten Beteiligungsreport (PDF)