Landshut, 24.03.2015 – Kommentar von Edmund Pelikan

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Quelle: www.reichmitgeiss.de

Mit meiner Tochter kämpfe ich immer mal wieder um das Montag Abendprogramm. Sie steht auf „Die Geissens“ und ich wüsste kaum Schlimmeres. Irgendwie erinnert mich dieser großkotzige Prolet an die S&K-Bilder, die derzeit wegen des nahenden Prozessbeginns wieder in den Medien präsent sind. Wenn es nach dem Motto ging, die Schönere gibt nach, müsste ja meine Tochter mir die abendliche Fernsehauswahl überlassen. Meistens jedoch räume ich das Feld, da ja eh noch immer viel Arbeit ansteht und ich mir im Zweifelsfall die eine oder andere Lektüre zu Gemüte führe.

 

 

 

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Quelle: www.welt.de

Die neue Werbekampagne „Reich mit Geiss“ schießt aber den Vogel ab. Sie spielt genau mit den Faktoren, die die Stiftung Finanzbildung mit ihrer ANTI-Anzeige aufdecken wollte. Da ist einer, der vermeintlich Millionen hat und diese Strategie verrät er nun. Nichtig ist, dass der Fonds schon vor dem Werbeengagement existierte und im Vergleich zu anderen dividendenorientierten Fonds eher Underperformer ist. Um eines klarzustellen: der Fonds ist nicht unseriös, die Werbung ist aber in puncto Geschmack daneben. Selbst die Depotbank des Fonds, Hauck & Aufhäuser, distanziert sich von dieser Werbung nach einem Welt-Bericht vom 18.03.2015.

 

 
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Die Stiftung Finanzbildung hatte vor einem halben Jahr ihre „Finanztraum-Anzeige“ geschalten, um auf unreelle Geldanlagen aufmerksam zu machen. Allen, die sich auf diese Anzeige gemeldet hatten, wurde folgender Text geschrieben und damit indirekt vor Werbungen im Stil von „Reich mit Geiss“ gewarnt:

Herzlichen Dank, dass Sie sich auf die Anzeige „Finanztraum“ bei uns gemeldet haben.
Wir freuen uns, dass wir Ihre Aufmerksamkeit erzielt haben.

Kennen Sie das Buch (1984) beziehungsweise den Film (2008) „Die Welle“ von Hans-Georg Noack. Dort startet ein Experiment aufgrund der Frage einer Schülerin, warum zwischen 1933 und 1945 sich so viel Menschen haben mitreißen lassen und ob das heute nicht mehr möglich wäre. Der Roman zeigt, dass es wahrscheinlich heute wieder möglich wäre.

Dadurch inspiriert haben wir von der Stiftung Finanzbildung uns überlegt, Anlegerschutz erlebbar zu machen und die Anzeige „Finanztraum“ entwickelt. Diese Anzeige hat bei Ihnen Gier ausgelöst. Und durch finanzpsychologische Mechanismen haben Sie verständlicherweise auf Slogans wie „Konzept der Milliardäre“, „absolut sicher“ und eine künstliche Verknappung von nur den „ersten 100 Rücksendungen“ aktiv reagiert.

Hätten Sie auch dieses ominöse Produkt gezeichnet? Sie und wir wissen es nicht und soweit wollten wir es auch nicht treiben. Aber viele kluge und vernünftige Anleger sowie Anlageprofis sind auf Betrüger wie Bernard L. Madoff oder Helmut Kiener hereingefallen, um zwei Fälle von verurteilten Anlagebetrügern zu nennen. Gegen zahlreiche wird derzeit verhandelt, wie zum Beispiel gegen die Frankfurter S&K Verantwortlichen, die mediale Aufmerksamkeit durch Megapartys mit Elefanten und Promis erlangten.

Natürlich sind selbst in Niedrigzinsphasen 12 Prozent Anlagerendite möglich, aber nie ohne Risiko. Ein Totalverlust ist in solchen Renditeklassen meistens möglich, ja sogar Teil des Systems. Entscheidend ist aber, dass sich der Investor darüber bewusst ist. Mehr Eigenverantwortung und Beschäftigung mit finanzwirtschaftlichen Fragestellungen ist anzuraten. Denn der gesetzliche Anlegerschutz ist eine Illusion. Gesetze erleichtern vornehmlich die Strafverfolgung nach Eintreten des Schadens. Schadensvermeidung erreicht der kritische und wissende Anleger durch Hinterfragung der Konzepte und der Suche nach dem „Weg des Geldes“.

Die Stiftung Finanzbildung entschuldigt sich, Sie verführt zu haben. Wir hoffen aber, dass wir Sie ein bisschen aufrütteln und Sie in einer kritischen Haltung bestärken konnten. Die Finanzwelt ist sehr spannend, wenn man sich mit ihr beschäftigt. Das Finanzbildungsmagazin Sinn&Invest der Stiftung können Sie sich kostenfrei unter www.sinninvest.de herunterladen. Bleiben Sie neugierig und kritisch!

Ihre
Stiftung Finanzbildung