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Letztendlich geht es immer um die Kosten

Landshut, 03.06.2015 – Kennen Sie die Geissens im Trash-Programm von RTL?

Ich kenne kaum Schlimmeres. Irgendwie erinnert mich dieser großkotzige Prolet an die S&K-Bilder, die derzeit wegen des nahenden Prozessbeginns wieder in den Medien präsent sind. Die neue Werbekampagne „Reich mit Geiss“ schießt aber den Vogel ab. Sie spielt genau mit den Faktoren, die kürzlich meine Stiftung Finanzbildung mit ihrer “Finanztraum-Anzeige” aufdecken wollte. Da ist einer, der vermeintlich Millionen hat und diese Strategie verrät er nun. Nichtig ist, dass der Fonds schon vor dem Werbeengagement existierte und im Vergleich zu anderen dividendenorientierten Fonds eher Underperformer ist. Um eines klarzustellen: der Fonds ist nicht unseriös, die Werbung ist aber in puncto Geschmack daneben. Selbst die Depotbank des Fonds, Hauck & Aufhäuser, distanziert sich von dieser Werbung nach einem Welt-Bericht vom 18.03.2015. Auf der Fondsvergleichsplattform Fondsweb ist der hinter Werbung steckende Fonds von Patriarch mit laufenden Kosten von 1,52 Prozent ausgewiesen. Die Total Expense Ratio liegt bei 1,98 Prozent. Aber dass die Geissens nicht der billige Jakob sind, sieht man bei dem Blick auf ihre persönliche Promoseite: meine Autos, meine Jachten, meine Häuser. Bei den S&K-Geschäftsführern der wegen Betrugsverdacht verhafteten Initiatoren brachte man Bentley noch mit dem Hinweis auf Geldverschwendung in Verbindung. So ändern sich die Blickwinkel.

Aber Geiss ist nicht der erste Prominente, der für Finanzanlagenprodukte wirbt. Ein Klassiker ist Manfred Krug gewesen, der die Privatisierung der Telekom zur Volksaktie machte. Wer heute sich an die überteuerte 2. und 3. Tranche erinnert, denkt absolut zurecht, wie wir denn einem Schauspieler je in Finanzfragen glauben konnten. Das ist genauso, wie wenn wir Stevie Wonder gebeten hätte, einen Blick darauf zu werfen.

Aber jetzt ist auch Börsen-Guru Dirk Müller mit von der Partie. Seit Langem predigt er vor den Gefahren, die Anleger ereilen können. Viele Anhänger hat er mit seiner Finanzethos GmbH, die seine Vorträge, Bücher und Finanznachrichten vermarktet. Bei seinem ersten Fonds – beziehungsweise mit seinem Namen gelabelten Fonds – setzt er aber aufs Nachmachen: Die Value-Strategie von Warren Buffett ist das Konzept. Interessant liest sich, dass er auf die großen Sauereien verzichten will, die in der Fondsindustrie üblich sind. Explizit nennt er hier den Verzicht auf die Wertpapierleihe, die in vielen Fondskonzepten erlaubt ist. Das ist gut und sicherlich der richtige Ansatz. Sehr robust erwies der Fonds sich in den ersten Wochen seiner Platzierung seitens der Kursentwicklung nicht, obwohl er dem Vernehmen nach stark nachgefragt war. Und das, trotzdem Müller bzw. die Emittenten Warburg/FOCAM nicht einen kostengünstigen Fonds an den Markt gebracht hatten. Die Total Expense Ratio liegt immerhin bei 1,69 Prozent. Dirk Müller argumentiert, dass man kein Aldi-Fonds sei. Erstaunlich ist seine Einstellung zur Performance-Fee. In einem Interview äußerte er, dass er eine Managementgebühr bekomme, wozu brauche er dann noch einen Bonus on top. Wirkt eher wie die Aussage eines Beamten. Den aus einer geringeren Managementgebühr und einer echten Performance-Fee wird ein Schuh. Denn dann sitzen Fondsmanager und Anleger in einem Boot. Ich schätze Dirk Müller wirklich. Er hat sich als einer der ersten vehement gegen Volksfinanzverdummung gestellt. Langsam reklamiert er eine Stellung für sich wie Helmut Schmid in der Politik. Der weiß auch alles, und er ist derzeit noch der Einzige in Deutschland, bei dem sich sogar das Navigationsgerät entschuldigt.

Eine ordentliche Vermögensverwaltung für kleine Vermögen ist durchaus fondsbasiert sinnvoll. Da widerspreche ich eindeutig manchen schreibenden Mathematikern. Aber es kommt immer auf die Kosten an. Meist sind hier die ETFs eine gute Basis. Die wenigsten Fondsmanager schlagen den entsprechenden Index. Wie entscheidend die Kosten mit der tatsächlichen Performance zusammenhängen, zeigt eine Studie, die vor einem knappen Jahr von Morningstar veröffentlicht wurde. Darin wurden 718 globale Aktienfonds im Zeitraum 2009 bis 2013 analysiert. Das Ergebnis  erstaunt nicht: Bei den Fonds mit einer Total Expense Ratio p.a. von 0,8 Prozent konnte eine Performance von 13,7 Prozent im Jahr erzielt werden. Bei jährlichen Kosten von 1,5 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent erreichten die Fonds nur noch Jahresergebnisse von 13 Prozent beziehungsweise 12,8 Prozent. Das Fazit: Die Kosten schlugen nahezu eins zu eins sich in einer Performanceverschlechterung nieder.

Wir lernen also: Traue nicht jedem Prominenten, sondern mache Dir selbst Gedanken und achte immer auf die Kosten! Diese machen nur dann Sinn, wenn ein echter Mehrwert damit erreicht werden kann. In jedem Fall muss jeder Anleger etwas tun und sich Gedanken über sein Geld machen. Auf Rente und Anleihemärkte ist kein Verlass mehr. Selbst eingefleischte Hütchenspieler sagen über die deutsche Finanzpolitik, dass sie unseriös ist.