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Landshut, 10. August 2016 – Diese Frage stellten wir diversen Marktteilnehmern. Im Folgenden finden Sie einige Statements.

Feedback von Frank Iggesen, Hanseatische Kapitalverwaltungs AG

Die Veränderungen der Anlagemärkte erfolgen seit jeher durch Hauptimpulse von der Marktseite mit all ihren Einflussfaktoren, nicht nur ausgehend von politischen Prozessen. Veränderungen im direkten Zusammenhang mit dem Ergebnis der Volksbefragung in Großbritannien und deren Umsetzung und Auswirkungen sind heute noch nicht annähernd bestimmbar.

Entscheidungen zu Aktivitäten an den Kapitalmärkten werden sich aber in kurzfristige Reaktionen und Entscheidungen mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont aufteilen. Tendenziell, und das zeigen erste Marktreaktionen, wird kurzfristig liquidierbares Anlagekapital aus Anlageformen in Großbritannien abgezogen. Insbesondere offene Fonds, investiert in Großbritannien, werden damit in eine Drucksituation geraten. Es entsteht zunächst frei verfügbares Kapital für Sachwertanlagen in Kontinentaleuropa und somit insbesondere für traditionell stabile Immobilieninvestitionen, so z.B. Sozialimmobilien oder Hotelinvestments. Die Entwicklung künftiger Anlageofferten ist in erster Linie von vielen facettenreichen Marktfaktoren der jeweils relevanten (Teil-)Märkte – insbesondere in den Immobilienmärkten – abhängig. Auswirkungen dieses geschichtlich einzigartigen Ereignisses sind derzeit seriös gar nicht bzw. nur mit Annahmen ohne Vergangenheitsbezug prognostizierbar. Die unmittelbaren und tendenziell extremen Marktreaktionen an den Börsen weltweit haben sich, aus unserer Sicht berechtigt, wieder ein wenig relativiert, wenngleich Unsicherheiten bleiben. Zur Einschätzung mittelfristiger oder langfristiger Auswirkungen bleibt zunächst abzuwarten, wie sich in Großbritannien die innenpolitische Lage in den nächsten Monaten inhaltlich verändern wird, insbesondere wann und wie das Ergebnis der Volksbefragung mit der EU verhandelt wird. Eines ist unseres Erachtens absehbar: je mehr Zeit vergeht – also mittelfristig und langfristige Sicht – desto stärker werden die wirtschaftlichen Faktoren einer künftigen Zusammenarbeit gegenüber den emotionalen Aspekten, die das Referendum bestimmt haben, Überhand gewinnen. Eine Lösung, wie immer sie am Ende im Detail aussehen wird, wird eine EU in wirtschaftlich enger Bindung und Verflechtung mit Großbritannien beinhalten, das Teil der europäischen Familie und insbesondere des Binnenmarktes bleiben wird.

Alle Aktivitäten der Marktteilnehmer, insbesondere die geschlossener Beteiligungen, werden weiterhin darauf ausgerichtet sein, die Differenz zwischen der Marktkapitalisierung vor und nach der Regulierung weiter in Richtung des alten Niveaus anzuheben. Somit werden künftig tendenziell mehr Produkte emittiert – nicht wegen der Entscheidung des Referendums, sondern trotz der Entscheidung. Dabei mag der Investitionsschwerpunkt Großbritannien zunächst bei neuen Transaktionen nicht mehr im direkten Fokus stehen. Von einem zunehmenden Emissionsvolumen, nicht nur bei uns mit dem Schwerpunkt Sozialimmobilien und Hotels, sondern auch in anderen Immobilienmärkten, sind wir überzeugt.

Jede Marktunsicherheit, so auch durch politische Veränderungen insbesondere von engen Wirtschaftspartnern, führt zu verstärktem Interesse nach Sachwerten. Insbesondere weltweit gehandelte Goldanlagen bilden diesen historisch bekannten Trend in jeder krisenähnlichen Situation, so auch jetzt, ab. Die Assetklasse Immobilie gehört für Anleger immer mit zu den interessantesten Anlageformen mit langfristigem Anlagehorizont. Die Direktinvestition in die Immobilie und Produkte dieser Assetklasse werden weiterhin stark nachgefragt sein. Selbst im Falle einer konsequenten Umsetzung des Volksentscheides in Großbritannien würden sich für die kontinentaleuropäischen Märkte tendenziell eher positive als denn negative Impulse ergeben.

Feedback von Georg Schneider, MHC MARBLE HOUSE CAPITAL AG

Großbritannien hat sich – wenn auch mit knapper Mehrheit – für den Austritt aus der europäischen Union entschieden. Wie gravierend und weitreichend die Auswirkungen dieser Entscheidung sein werden, ist heute noch nicht absehbar. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass mit derartigen Marktverwerfungen stets auch besonders interessante und lukrative Investitionsgelegenheiten einhergehen. Carl Mayer von Rothschild riet daher schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts, man solle „kaufen, wenn die Kanonen donnern.“

Die Investmentstrategien sowohl des Marble House European Mid Market Fund als auch des HFO Europe Fund profitieren geradezu von derartigen Szenarien: Ihr Secondary-Anteil kann in fallenden Märkten gute Portfolien mit vergleichsweise hohen Discounts erwerben und ihr Co-Investment-Anteil reduziert Kosten und stärkt so zusätzlich den Ertrag.

Wie gut das funktionieren kann, wissen wir noch aus den Investitionsphasen von Marble House Access Select und Marble House Secondary Plus: In der ähnlich unsicheren Zeit nach der Lehmann-Pleite ließ es sich besonders günstig einkaufen – mit ein Grund, warum diese beiden Fonds die bisher erfolgreichsten Marble House Private Equity-Programme sind.

Ein anderer Grund dafür ist die damals eingehaltene Disziplin bei Investitionsentscheidungen, die Marble House auch weiterhin an den Tag legt. Es ist kein Zufall, dass die aktuellen Fonds bisher noch keine Investments getätigt haben. Heute sind wir froh, einmal mehr Geduld bewiesen und unser „Pulver trocken gehalten“ zu haben. Denn wir rechnen aufgrund des „Brexit“ und seinen Auswirkungen sowohl auf Kontinentaleuropa als auch auf die britischen Inseln verstärkt mit attraktiven Gelegenheiten, zu guten Einstiegspreisen in stabile und erfolgreiche Unternehmen im europäischen Mittstand zu investieren und so den Grundstein für die nächsten erfolgreichen Marble House Fondsprogramme zu legen.

Feedback von Jörn-Hinnerk Mennerich, HEH Hamburger EmissionsHaus GmbH & Cie. KG

In der allgemeinen Presse und in der Wirtschaftspresse gab es seit dem Referendum im Vereinigten Königreich in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von Artikeln und Stellungnahmen von Ökonomen, Wirtschaftsverbänden, Unternehmen und Politikern zu den Folgen des geplanten Ausscheidens des UK aus der Europäischen Union.

Während die Währungsmärkte umgehend mit einer Abwertung des GBP gegenüber den Referenzwährungen US-Dollar und Euro reagierten, hielten sich die Auswirkungen der Entscheidung der britischen Wähler auf die Aktienmärkte in Grenzen. Während die geänderten Währungsparitäten britische Importe verteuern, so ergeben sich bereits unmittelbar verbesserte Exportchancen für britische Produzenten. Analog werden Auslandsreisen für Briten teurer, während die Abwertung des Pfundes möglicherweise zu einer höheren Anzahl ausländischer Touristen in Großbritannien führen wird.

Alle Fluggesellschaften, die Flüge von und nach Großbritannien anbieten, sind unmittelbar von den veränderten Währungsparitäten und Passagierströmen betroffen, wenn auch Währungseffekte durch Kurssicherungsinstrumente in ihrem zeitlichen Eintritt verzögert werden.

HEH hat in der Vergangenheit 13 Regionalflugzeuge mit der englischen Fluggesellschaft Flybe als Beteiligungsgesellschaften für deutsche Investoren initiiert und steht in ständigem, engen Kontakt mit Flybe. Die Flugzeuggesellschaften verlaufen alle prospektgemäß oder besser, Auswirkungen aus dem vorgesehenen Austritt des Vereinigten Königreiches auf die Performance der Fonds werden nicht erwartet. Gemeinsam mit Flybe wurde die folgende Erklärung zu den Auswirkungen des Brexit auf Flybe erarbeitet:

Auswirkungen des Brexit auf durch HEH gemanagte Flybe-Flugzeuge

HEH hat nach dem EU-Referendum mit Flybe gesprochen, um potentielle Auswirkungen dieser Entscheidung sowohl auf den Leasingnehmer als auch auf die Beteiligungsgesellschaften, in deren Eigentum die Flugzeuge stehen, zu bewerten. Flybe ist für die Herausforderungen der Zukunft sehr gut positioniert.

Flybe betreibt qualitativ hochwertige Regionalfluglinien, die Städte und Regionen miteinander verbinden. Flybe ist sich darüber im Klaren, dass das Vereinigte Königreich ein geographischer Bestandteil Europas bleiben wird mit fortdauernden wichtigen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Verbindungen zum Festland, unabhängig von der Gestaltung der neuen Vereinbarungen nach dem Ausscheiden aus der EU. Daher bleibt die langfristige Mission von Flybe unberührt vom Ausgang des Referendums, denn das Geschäftsmodell von Flybe, regionale Gemeinwesen, die durch andere Fluggesellschaften und alternative Transportmittel zunehmend unterversorgt werden, zu verbinden, erfüllt sehr wichtige soziale und wirtschaftliche Bedürfnisse, die von politischen Vereinbarungen unabhängig sind.

Zunächst beträgt die Vorlaufzeit für einen formalen EU-Austritt zwei Jahre nachdem die Regierung des Vereinigten Königreichs eine Erklärung gemäß Artikel 50 der Verträge von Lissabon abgegeben hat. Während dieses Zeitraums von mindestens zwei Jahren, in denen neue Vereinbarungen zwischen der EU und UK verhandelt werden, wird mit Sicherheit eine Verunsicherung der Verbraucher eintreten, die alle Fluglinien, die das Vereinigte Königreich anfliegen, betreffen wird. Zusätzlich kann es bei den britischen Fluggesellschaften durch die Abwertung des Pfundes zu einem Rückgang der Nachfrage nach Urlaubsreisen zum europäischen Festland und zu einem Anstieg der in USD anfallenden Kosten wie Treibstoff, Flugzeug- und Wartungskosten, die etwa 40% der Gesamtkosten ausmachen, kommen.

Dem steht entgegen, dass Flybe die stärkste Bilanz und die niedrigsten Sitzmeilenkosten in der Unternehmensgeschichte hat. Darüber hinaus hat Flybe eine disziplinierte und pro-aktive Unternehmensorganisation, die frühzeitig beim Kapazitätswachstum und der Stückkostensenkung Ausgleichsmaßnahmen eingeleitet hat. Flybe hat bereits 90% der Treibstoff- und USD-Kosten für das Kalenderjahr 2017 gesichert, so dass die unmittelbaren Auswirkungen der Abschwächung des GPB auf die dollarbasierten Kosten neutralisiert werden.

Soweit es die durch HEH gemanagten Flugzeuge betrifft, sind die bestehenden Leasingverträge langfristig und bindend für beide Parteien. Die langjährige und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Flybe und HEH wird durch das Referendum nicht beeinflusst und die neue Regierung in London hat betont, dass enge Beziehungen mit den Ländern auf dem europäischen Festland, unabhängig davon, ob diese EU-Mitglieder sind oder nicht, von überragender Bedeutung für alle sind.“

Die Vereinbarungen und Vorgehensweise zum Austritt des vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union werden derzeit in London und Brüssel erarbeitet und auf politischer und Verwaltungsebene abgestimmt werden. Nach der noch abzugebenden formalen Erklärung des Austrittes wird es eine zweijährige Übergangsperiode geben, in der die Mechanismen der künftigen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen geregelt werden sollen. Die Erfahrungen vergangener Umstellungen zeigen, dass sowohl die Wirtschaft als auch die Verbraucher und Investoren sich auf geänderte regulatorische Rahmenbedingungen einstellen werden.

HEH erwartet, dass sich keine Auswirkungen aus dem beschlossenen Brexit auf die laufenden Fonds ergeben werden, während neue Fonds selbstverständlich den geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung tragen und aktuelle Währungs- und Zinsmarktraten berücksichtigen. Aktuell sind von HEH keine Fonds mit englischen Leasingnehmern in Vorbereitung.

Unabhängig von den wirtschaftlichen Implikationen des Brexit werden weiterhin in einem globalen Geschäft wie der Flugzeugfinanzierung die Mehrheit der Verträge zwischen Finanzierern, Fonds und Leasingnehmern auf der Grundlage englischen Rechts abgeschlossen werden.