immobilienbrief_beteiligungsreport_deEditorial aus dem aktuellen Immobilienbrief von Werner Rohmert:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Expo Real ist längst Geschichte. Am Donnerstag vor 30 Jahren schlug der Börsenmeteorit am „Schwarzen Montag“ in die Weltbörsen ein und ließ den „Schwarzen Freitag“ 60 Jahre zuvor, Internet-Blase und die Börsenwirkung der Finanzkrise eher niedlich aussehen. Zeit zum „Nach“Denken. Eine Art positiver Fatalismus machte sich auf der Expo Real breit (S. 2). Der Boom geht einfach weiter. Die Spitzen haben wir noch nicht gesehen. Warnungen werden der Form halber ausgesprochen. Die Senioren des Marktes verweisen auf die immanente Zyklizität des Immobilienmarktes. Die Bewertungen würden immer höher, solange die Zinsen niedrig blieben. Anlagealternativen gibt es nicht. Immobilien seien früher ein Appendix der Bond-Anlage, ähnlich wie Gold gewesen, heute sei die Immobilie eine anerkannte Assetklasse, meint Barbara Knoflach. Das ist auch für mich nachvollziehbar. Eine Geldwolke bettet den Markt in Watte. Anlagegetriebene Argumente werden in den Nutzermarkt hineininterpretiert. Jetzt wird anscheinend alles knapp. Bei Gewerbe wird noch viel Spiel gesehen. Bei Wohnen wird gewarnt. Naturgemäß vertrete ich die umgekehrte Ansicht. Bei Gewerbe sei viel internationale Liquidität im Markt, die vor ein paar Jahren noch nicht gewusst habe, was Immobilien überhaupt sind, meint Ulrich Höller. Hier ist das Kapital viel volatiler. Das verschwindet nicht nur nach Krisen, sondern schon, wenn woanders mehr zu holen ist. Gleichzeitig können, wie wir seit der „Finanzkrise 08“ wissen, Einbrüche im Wertpapiermarkt zu Verkaufszwängen führen. Dann verschwindet das Kapital nicht nur, sondern wirft gleichzeitig Assets auf den Markt.

Das war im großen Crash vom 19. Oktober 1987 vor genau 30 Jahren noch anders. Zuvor gab es jahrelangen Aufschwung. Reagonomics – Ronald-Reagon war so eine Art Vorzeit-Trump mit „Krieg der Sterne“-Visionen (SDI), aber vor allem mehr Glück – hatten in USA ein hoch verschuldetes Wirtschaftswunder mit desaströser Handelsbilanz entfacht. In Deutschland hatte Kohl die Wende stabilisiert. Finanzinnovationen heizten die Stimmung an. Firmenübernahmen wurden mit Hochzinsanleihen finanziert. Der Dow Jones legte 1987 um 44% zu. Deutschlands spätere DAX -Aktien – den DAX gab es offiziell erst ab 1.1.88 – hatten schon 1985 ein Hoch, legten aber nach Konsolidierung in 1987 auch um gut 25% zu. Am Sonntag, den 18. Oktober gab das Finanzministerium seine Dollar-Stützung auf. Am Montag, den 19. Oktober führten die Computer Stop Loss Orders aus, die immer weitere Stop Loss Orders in Gang setzten. Put Optionen Institutioneller waren Brandbeschleuniger. Die Abwicklung klappte nicht mehr. Der Markt brach zusammen. Der Dow Jones verlor an einem Tag 22,6%. Das war der höchste Verlust der Geschichte. Die DAX-Aktien verloren in wenigen Tagen in der Spitze über 33%. Die erwartete neue „Große Depression“ blieb aber aus. Die Greenspan-Geldpolitik rettete mit unbegrenzter Liquidität.

Was lernen wir daraus? 1. Geldpolitik hilft. Der Kapitalmarktzins in den USA lag damals aber bei 8,4%, heute bei 1,8%. Wissen FED und EZB das? 2. Heute kann das nicht mehr passieren. Wir sind heute voll computerisiert. Alles kann abgewickelt werden. Hochgeschwindigkeitshandel reagiert in Nano-Sekunden. Programmier-Fehler und Domino-Effekte gibt es nicht mehr. Oder? 3. Das Aktiendesaster hat mich damals als angestellten Unternehmensberater nicht interessiert. Mein Gehalt kam. Die deutsche Realwirtschaft zog weiter. Wen interessiert schon USA? Wechselwirkungen zwischen Finanzmärkten und Immobilienwirtschaft gab es nicht. Heute? 4. Nach einer Immobilienflaute mit Überangebot, Demographie-Pessimisten und „Deutschland ist fertig gebaut“-Propheten legte ab 1987 die Immobilienwirtschaft, die bis dahin rein national war, einen ungeheuren Internationalisierungs- und Tertiärisierungs-Boom vor, der in der Spitze 1993 zu Mieten führte, die vielerorts heute weder bei Wohnen noch bei Gewerbe auch nur nominal wieder erreicht sind. Steht das „Immobilien-Paradoxon“ noch? Und heute? Keine Ahnung. Diesmal ist es ganz bestimmt anders. Ich sehe keinen Aktiencrash. Wenn man ihn sehen könnte, gäbe es ihn allerdings nicht. Die Zins-Wende bleibt eher ein Zins-Kürvchen. Wie immer gibt es Soft-Landing. Der Zyklus ist tot. Die Immobilie profitiert von Unsicherheit. Wir können es sowieso nicht ändern. Lasst uns bauen!

Werner Rohmert, Herausgeber  

 

Den aktuellen Immobilienbrief der Research Medien AG finden Sie hier:

Der-Immobilienbrief-Nr-410_vom-20.10.2017

2017 erschienene Magazine der Research Medien AG finden Sie hier:

Der-Immobilienbrief-Expo-Real-Spezial-Nr-409

Der-Immobilienbrief-Nr-408-vom-22.09.2017

Der-Immobilienbrief-Nr-407 vom 08.09.2017

Der-Immobilienbrief-Nr-406 vom 25.08.2017

Der-Immobilienbrief-Nr-405 vom 11.08.2017

Der Immobilienbrief Nr. 404 vom 28.07.2017

Der-Immobilienbrief Nr. 403 vom 14.07.2017

Der Immobilienbrief Nr. 402 vom 05.07.2017

Der Immobilienbrief Nr. 401 vom 14.06.2017

Der Immobilienbrief Nr. 400 vom 02.06.2017

Der Immobilienbrief Nr. 399 vom 19.05.2017

Der Immobilienbrief Nr. 398 vom 05.05.2017

Der Immobilienbrief Nr. 397 vom 21.04.2017

Der Immobilienbrief Nr. 396 vom 07.04.2017

Der Immobilienbrief Nr. 395 vom 24.03.2017

Der Immobilienbrief Nr. 394 vom 10.03.2017

Der Immobilienbrief Nr. 393 vom 10.02.2017

Der Immobilienbrief Nr. 391 vom 27.01.2017

Der Immobilienbrief Nr. 390 vom 13.01.2017