immobilienbrief_beteiligungsreport_deEditorial aus dem aktuellen Immobilienbrief von Werner Rohmert:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich versteh das Gemeckere über das designierte GroKo-Kabinett nicht. So schreibt man in Deutschland „Zukunft“. Zum einen werden dort keine jungen, ideenreichen Leute verschlissen. Die halten die Parteien aktuell in der politischen Schleifmaschine zur Charakter-Glättung noch in Reserve. Zum anderen ist in der neuen Regierung wirklich niemand unentbehrlich. Wenn es darum geht, Platzhalter für die Zukunft zu sein, ist das GroKo-Kabinett perfekt personalisiert. Da steht keiner für irgendwas. Das ist die Politik, die Deutschland stark gemacht hat. Gegen Adenauer ist Merkel Jungspund. Erhard war schon abgelaufen, als er Kanzler wurde. Die „soziale Marktwirtschaft“ prägt uns aber bis heute. Kiesinger war national gesinnt. Willy Brandt und Helmut Schmidt schufen ein neues Deutschland. Verschuldung, Inflation, Kniefall und Atomwaffenstationierung sind die Erinnerungen. Helmut Kohl war schon fünfmal totgesagt, bevor er als Einheitskanzler in die Geschichte einging. Gerhard Schröder hat Deutschland als „kranken Mann Europas“ wieder den Weg an die Spitze gezeigt. Sogar Merkel konnte sich trotz anfängliche Staatsquoten-Expansion so lange nicht verlaufen, bis die Gnade des Zinsverfalls den Haushalt stabilisierte. Und heute: Nullzinsen finanzieren Wählerkauf. Wie ich Ihnen letzte Woche ausführte, habe ich grundsätzlich noch nicht einmal etwas gegen das „weiter so“ einzuwenden. Die „Resterampe“ der bundesdeutschen Politik bekommt noch einmal eine Chance. Ohne Zukunft hat keiner was zu verlieren. Das schafft Freiräume zur Gestaltung. Das schätzt der Deutsche. Dauerbrenner „Dschungelcamp“ verliert rasant an Zuschauern. Logisch, wer Auslaufmodelle im Rampenlicht sehen will, ist zu Phoenix gewechselt. Ganz viele Freunde gewinnt die GroKo auch für Deutschland. Die ganze strukturänderungsunfähige, verschuldete Peripherie sieht die Wende deutscher Europapolitik. In puncto „bezahlen“ habe ich mein iPhone schon einmal auf „Spiegel“ gestellt. Anleger- und Mieterschutzes sind jetzt voll in SPD Hand. Die VerschlimmbesserungsRegulierungszange von Finanz- und Justizministerium kann greifen. Schäuble musste man nicht unbedingt liebhaben, aber er war ein Garant für ein verständliches „NEIN“.
Von der Hoffnung, dass die neue Koalition irgendetwas zu Gunsten der Immobilienbranche tun würde, sollten wir uns schnell verabschieden. Warum soll man eine Branche stützen, die in der Außenwirkung vor Kraft kaum laufen kann und sich mit Rekordmeldungen überschlägt. Politisch macht es bei verzweifelter Erfolgssuche der GroKo wenig Sinn, im Umfeld einer Kapitalschwemme, die trotz brutaler Asset Inflation zu Gunsten der reichen Immobilienbesitzer und -spekulanten immer weiter in Sachwerte drängt, Investitionen zu fördern. Welcher Realpolitiker kann da (gerechtfertigte) Gießkannen-AfA-Erhöhungen vertreten, die doch nur den Reichen die Renditen erhöhen. Politisch ist Wählerkauf angesagt. Medial wird berichtet, was der Leser lesen will. Mieten und Immobilienblasen sind dankbare Themen. Marktforschung regiert. Deutschland ist ein Mieterland. Da macht die große Show zur Verschärfung der Mietpreisbremse oder die Abschaffung steuerlicher „Missbräuche“ deutlich mehr Sinn. Das erste Opfer wird wohl der Share Deal sein, wie die Immobilien Zeitung mit Vorab-Infos belegte (Seite. 14). Das lässt sich super verkaufen. Ich versteh den kleinen Polit-Beamten. Ihm reicht eine einzige Begründungsfrage: Warum soll der gebeutelte Mittelschichts-Steuerbürger mit über 50% Abzügen für das größte private Investment seines Lebens – und das bei jedem Standortwechsel – bis zu 6,5% Grunderwerbsteuern bezahlen, während bei Großinvestoren oder sogar Spekulanten diese Steuern nicht anfallen? Die Gegenargumentation füllt Gutachten, die kein Politiker liest.

Zum Schluss noch ein wenig Ernst.

1. Am 1. Februar gab unser Lieblingsstatistiker ein paar Aktien-Infos, die uns HÄTTEN wohlhabend machen können (Seite 30). Ich konnte sie nicht würdigen.

2. Geschichte vergeht. Der Mauerbau begleitete meine Kindheit. Der Mauerfall begleitete mein Berufsleben. In der Nacht zum 9. November 1989 hatte ich meine jährliche KonjunkturVorausschau im Verlag abgegeben. 12 Stunden später war es ein Geschichtsbuch geworden. Bei den Morgennachrichten fuhr ich rechts ran zum Nachdenken. Das tue ich bis heute – genauso lang, wie es die Mauer gab. In vielen Köpfen ist sie nie gefallen.

Werner Rohmert, Herausgeber

Den aktuellen Immobilienbrief der Research Medien AG finden Sie hier:

Der-Immobilienbrief-Nr-417-vom-09.02.2018

2018 erschienene Magazine der Research Medien AG finden Sie hier:

Der-Immobilienbrief-Nr-416-mit-Berlin-vom-26.-Januar-2018

Der-Immobilienbrief-Nr-415