Editorial aus dem aktuellen Fondsbrief von Markus Gotzi

Meiner Meinung nach…

Für viele Marktbeobachter war es keine Frage des „ob“, sondern des „wann“. Daher hält sich die Überraschung über die P&R-Pleite in Grenzen. Zu wenig Informationen, zu wenig Transparenz – da drängt sich schnell der Verdacht eines Schneeball-Modells auf. Jahrzehntelang ging das Konzept auf, doch nun war der große Knall nicht mehr zu vermeiden.

Obwohl das Unternehmen mit Container-Direktinvestments im vergangenen Jahr 442 Millionen Euro eingesammelt hat – und damit deutlich mehr als der umsatzstärkste Anbieter von regulierten AIF – reichte das Geld nicht aus, um die Stahlboxen zurückzukaufen, wie es das Modell vorsah.

Noch ist nicht geklärt, wie groß der Schaden ist. Im schlimmsten Fall geht es um 51.000 Anleger und 3,5 Milliarden Euro. Damit wären die Verluste deutlich höher als bei den Betroffenen der Prokon-Pleite. Als Reaktion darauf hat der Gesetzgeber seinerzeit das Vermögensanlagegesetz erlassen. Ziel war es, ein zweites Prokon zu verhindern. Hat nicht geklappt. Ziemlich wahrscheinlich wird die P&R-Insolvenz daher politische Konsequenzen nach sich ziehen.

Hoffentlich gehen die Verantwortlichen dabei nicht nach der Rasenmäher-Methode vor. Gerade erst haben wir uns über positive Nachrichten gefreut, zum Beispiel über die Entwicklung der Umsätze bei Anbietern von Publikums-AIF. Die positive Wahrnehmung von Sachwertebeteiligungen nimmt zu. Die Branche ist mit kommenden Angeboten darauf vorbereitet. Kontrollen und Regulierungen sorgen weitgehend dafür, dass Betrug und Interessenkonflikte ausgeschlossen sind. Also bitte: Keine Schnellschüsse.

Viel Spaß beim Lesen!

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