immobilienbrief_beteiligungsreport_deEditorial aus dem aktuellen Immobilienbrief von Werner Rohmert:

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Sommerloch fühlen sich Immobiliengesellschaften zu weltbewegenden Erkenntnissen berufen. Zum Glück ist wenigstens der Handelskrieg durch den selbstlosen Einsatz unseres Luxemburger Dorfbürgermeisters vermieden. Jetzt kann er sich Flüssiggas und Soja in seinen Vorgarten liefern lassen. Wie er den Rest Europas auch dazu bringen will, bleibt schleierhaft. Das macht den Eindruck, als habe da jemand pressewirksam an einer Banane gebogen, die schon vorgebogen war. Trump braucht keinen Handelskrieg.

Es droht eine Spekulationsblase, lese ich diese Woche aus berufenen Quellen. Ein Immobilienprofessor informierte, dass die Immobilienmärkte von der EZB endlich ein „klares Signal“ bräuchten. Super Idee! Der Konjunktur droht natürlich eine Wende. Stimmt. (Wie Sie wissen, habe ich das alles längst gesagt und weiß es sowieso besser.) Ich habe nur ein Problem bei meiner Frage „Was ist diesmal anders?“ Denn: Noch nie in den letzten 5000 Jahren hatten wir eine Zinssituation wie heute. Noch nie gab es keine Zinsen für risikofreie Kapitalanlagen. Noch nie waren die großen europäischen Wirtschafts-Nationen durch abgeschaffte Währungspolitik, ausgeuferte Fiskalpolitik und ausgelutschte Geldpolitik gefesselt. Noch nie bestand die Gefahr, dass bei spürbaren Zinserhöhungen eine Welle von hoch verschuldeten Zombie-Unternehmenspleiten, Immobilienpleiten und in der Folge Bankpleiten drohte. Noch nie waren die Staaten Europas mit 3 G7-Staaten bei steigenden Zinsen von Zahlungsunfähigkeit bedroht, da sie ja kein eigenes Geld mehr drucken können. Dazu kommen die alt bekannten Effekte steigenden Dollar-Kurses und steigender Zinsen. Damit gibt es eine Menge „Noch nie“, die „sogar“ mich prognoseunsicher machen.

Das hat nicht nur das Potential zur „Zyklenverlängerung“ (siehe JLL Büroimmobilienuhr, S. 2), sondern auch zum Dauerdurchwurschteln durch Dauerliquidisierung bis zum bitteren Ende des Wirtschaftssystems. Eines beruhigt aber: Relativ sicher sind menschliche Verhaltensweisen. Die wiederum sind von den Lemmingen abgeschaut. Das führt zu der Wendeangst-Haltung, die ich derzeit in vielen Gesprächen erlebe. Bedenken Sie: Immobilienmärkte sind nicht zyklisch, sondern dämlich. Sie unterliegen immer Stimmungs-Epidemien, Lemminge-Effekten und trittbrettfahrenden Partialinteressen, die dann natürlich zu Zyklen führen.

Auch sonst hat die Branche im Sommer Interessantes zu berichten. Bei Savills ist Trump diesmal sogar für den unaufhaltsamen Boom deutscher Wohnimmobilienmärkte zuständig. „Die Nachfrage nach deutschen Wohnimmobilien könnte aufgrund der sich verschärfenden Handelskonflikte sogar noch steigen.“ (S. 7) Knight Frank hat Studenten befragt (S. 15). Das führt zu bahnbrechenden Erkenntnissen und Empfehlungen. Wenigstens bleiben Studenten bereit, in Büros zu arbeiten. Die müssen aber lt. Knight Frank eine Mischung aus Funktionalität, Geselligkeit und Komfort bieten, Netzwerkaufbau wie an der Uni ermöglichen und alle Hindernisse beseitigen, die die Kreativität behindern könnten. Liebe Studenten, ich befürchte aus eigener Erfahrung, dass Eurer Kreativität noch ein Einstieg in die Lernkurve droht. Es könnte sein, dass Ihr auf müde gähnende Profis trefft. Fehlende Mundhaltefähigkeit durch Kreativität und Intelligenz führt dann dazu, dass Ihr nie auf die Stufe Eurer kreativen Fähigkeit befördert werdet (umgekehrtes Peters Prinzip = Rohmert Prinzip). Dennoch kommt Knight Frank jetzt zu wirklich bahnbrechenden Erkenntnissen: Die Zukunft erfordere einen „flexiblen, fortschrittlichen und inspirierenden Arbeitsplatz, der so strukturiert ist, dass er eine Unternehmenskultur hervorbringt, die lohnend, herausfordernd und professionell ist“ und weiter „Dafür braucht es stimulierende Räume, die über funktionale Notwendigkeiten hinausgehen, um die Arbeit sinnvoll zu gestalten und vor allem die Zusammenarbeit – auch die virtuelle – auf eine Weise zu erleichtern, die den Geist erfrischen und entwickeln soll.“ Herzlichen Glückwunsch liebe Projektentwickler, das hilft euch wirklich weiter.

Apropos Europa: Die Stories um die Griechenland-Brände haben jeden berührt. Die griechische Regierung schickt weltpressewirksam 20 Mio. Euro Soforthilfe. Warum zum Teufel gibt es in der EU, die in irgendwelchen Zahlenspielereien oder „Hilfsaktionen“ ohne Parlamentseinwilligung Billionen verblödet, niemanden, der in eindeutigen Katastrophen einfach mal eben 50 Mio. Euro „Soforthilfe aus Europa“ herüberschicken kann.

Werner Rohmert, Herausgeber

Den aktuellen Immobilienbrief der Research Medien AG finden Sie hier:

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