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Landshut, 10. September 2018 – Die schwedische Krone reagiert positiv auf das Wahlergebnis in Schweden, weil die Rechtspopulisten nicht so stark sind wie befürchtet. Jedoch sind es nur wenige Punkte unter den Prognosen. Einzig den zweiten Platz hinter den Sozialdemokraten hat die rechte Partei „Schwedendemokraten“ nicht erreicht. In Italien startet eine Börsenrallye der Finanztitel, nachdem der Ministerpräsident Europatreue öffentlich bekundet hat.

Was aber auch an den (w)irren Trump-Impulsen in den USA sichtbar ist, so ist die Halbwertszeit der Auswirkungen auf die Märkte meist nur kurz, und man kehrt bald wieder auf das Vor-News-Niveau zurück. Also kurz gesagt: Die Schwankungsbreiten steigen und damit auch die Anforderung an das Nervenkostüm der Investoren. In einem anderen Zusammenhang sprach jemand von den „rhetorischen Blutgrätschen“, die zunehmen werden.

Derzeit sind der monetäre Irrsinn die Regel und die Verlässlichkeit die Ausnahme. Der britische Brexit droht in einem Machtkampf bei den Torys unterzugehen; ein Ausstieg aus der EU ohne klare Vereinbarungen wird zumindest nicht mehr ausgeschlossen. Trotz allem zeigen sich die Börse relativ stabil und die Konjunktur gefestigt. Man kann auch sagen: Nicht einmal die Politik bringt die Wirtschaft außer Tritt.

Spannend ist derzeit, wie die Investoren auf die Welle an Büchern reagieren, die die nächste Wirtschaftskrise – und zwar ungeahnten Ausmaßes – vorhersagen. Allen voran der Untergangsprophet Dirk Müller in seinem Buch „Machtbeben“: Alles wird zusammenbrechen, der Staat wird zum überwachenden Superstaat und im Grunde gibt es kein Entrinnen. Vielleicht „die einzige Alternative“ ist der Mister-Dax-Fonds. So kommt man in Bestsellerlisten an die Spitze und verkauft Fonds. Ich schätze wirklich den Autor Dirk Müller, weil er sonst die Finanzwelt so eloquent erklärt. Aber inzwischen sind so viel Bitterkeit und Verschwörungstheorien in seinen Texten. Mir ist das etwas zu viel Pathos und zu wenig Ethos – kleiner Wortwitz, für alle die wissen, wie Müllers Firma heißt.

Meines Erachtens ähnlich und doch substanzieller ist das neue Buch des Wirtschaftshistorikers Adam Tooze „Crashed: Wie zehn Jahre Finanzkrise die Welt verändert haben“. Es zeichnet die Zeit nach Lehman Brothers nach und schildert, wie es zu dieser Krise der Finanzmärkte kam und welche dramatischen Folgen sie bis heute hat. „Denn nicht nur ist durch die Finanzkrise die Stabilität Europas ins Wanken geraten, sie hat auch das Vertrauen in die Kraft der globalen Wirtschaftsordnung erschüttert – und so zum Aufstieg der Populisten beigetragen“, heißt es in der Buchbeschreibung.

Beide Autoren haben recht, zu warnen. Aber geht deshalb alles den Bach runter? Ich denke nicht, aber wir werden es in den nächsten Jahren live miterleben. Und jeder Investor sitzt in der ersten Reihe dieses Schauspiels. Ich halte es mit Hans Rosling und hinterfrage jede Zahl und jede Aussage. Ich nenne das #finanzbewusstsein.

Autor: Edmund Pelikan