Landshut, 20.09.2018 – Wenn wir das Radio oder den Fernseher anschalten oder im Internet surfen, werden wir mit schlechten News, Horrormeldungen und Hiobsbotschaften überhäuft. Wir hören und wir denken, die Welt wird immer schlimmer. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, Kriege, Terror und Gewaltverbrechen nehmen immer mehr zu. Aber ist die Welt wirklich so schlecht?

Hans Rosling hat zusammen mit seinem Sohn Ola Rosling und dessen Ehefrau Anna Rosling Rönnland über 18 Jahre hinweg Daten, Statistiken und Fakten gesammelt und zu einem Buch zusammengefasst. Leider ist Hans Rosling am 07. Februar 2017 verstorben und hat die Veröffentlichung von „factfulness“ im Frühjahr 2018 nicht mehr erlebt.

Hans Rosling selbst studierte unter anderem Medizin und arbeitete am Anfang als Amtsarzt in Nacala im Norden von Mosambik. Auch war er eines der Gründungsmitglieder von „Ärzten ohne Grenzen“ und zuletzt Professor an der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. In Zusammenarbeit mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter gründete er die Gapminder-Stiftung, die es sich zur Aufgabe machte, die (internationalen) Statistiken verständlicher sowie interaktiv darzustellen. Rosling möchte mit seinem Buch die Leser dazu bewegen, die frei zugänglichen öffentlichen Statistiken zu hinterfragen, zu verstehen und dadurch eine vielleicht doch etwas „positivere“ Sicht auf unsere Welt zu erlangen.

Und so beginnt das Buch am Anfang direkt mit dreizehn Fragen, bei denen die Leser ihr Wissen über die Welt testen können. Rosling und Co. haben 2017 fast 12.000 Menschen aus allen Gesellschaftsschichten in 14 Ländern diese Fragen vorgelegt, und sie schafften, abgesehen vom Klimawandel, im Schnitt nur zwei von zwölf korrekten Antworten. Nicht ein einziger holte die volle Punktzahl, in Schweden schaffte ein Teilnehmer elf von zwölf und unvorstellbare 15 Prozent hatten null Richtige. Ist unser Bild von der Welt so falsch?

Es sind die kleinen Dinge, die die Welt besser machen und dadurch von uns nicht wahrgenommen werden. Einige Beispiele, die für uns so selbstverständlich geworden sind:

Weltweite Veränderungen:

Kindersterblichkeit: im Jahre 1800 noch bei 44 % und 2016 bei 4 %

Alphabetisierung (Anteil der Erwachsenen über 15 Jahre mit Grundkenntnissen in Schreiben und Lesen): von 10 % im Jahr 1800 bis 2016 auf 86 % angestiegen

Kinderarbeit: lag 1950 noch bei 28 % und ist bis 2012 auf 10 % zurückgegangen. Natürlich sind 10 % immer noch 10 % zu viel, aber es geht in die richtige Richtung.

Leben in extremer Armut: im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte hat sich der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben nahezu halbiert.

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt liegt heute bei 70 Jahren.

Es gäbe etliche Beispiele, die hier aufgeführt werden könnten und uns überraschten.

Natürlich können wir die Augen nicht vor der regionalen Zunahme des Terrorismus, der Klimaerwärmung, Überfischung oder Verschmutzung der Meere verschließen. Auch werden die Liste der gefährdeten Lebewesen und die Zahl der toten Zonen in den Ozeanen immer länger. Die Daten und Statistiken konnten keinen Syrienkonflikt oder den Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarkts 2007 vorhersehen. Das Buch soll aber helfen, Dinge zu hinterfragen, nach relevanten Zahlen zu fragen und sie einzuordnen. Roslings Ziel, Neugier auf Fakten anzuregen und zum Selbstdenken anzutreiben, ist ihm mit diesem Buch gelungen.

Autor: epk media