immobilienbrief_beteiligungsreport_deEditorial aus dem aktuellen Immobilienbrief von Werner Rohmert:

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Frau hat ihr iPhone Betriebssystem aktualisiert. Seitdem poppt in der Bilder-App als erstes ihr Golflehrer und als zweites ein Toilettendeckel auf. Letzteres ist erklärbar. Meine Frau baut gerade ihr Badezimmer um. Ansonsten muss man sich anscheinend immer über seine Position auf dem Laufenden halten. Das täte der Immobilienwirtschaft auch gut. Die rutscht gerade auf ihrer Positionierung aus. Das machte die Zinsbranchen-Messe Expo Real 2018 deutlich. Apropos München: Das CSU-Duo hat alle realistischen Wahlziele erreicht. Glückwunsch! Mehr war doch nicht drin. „Weiter so“ ist programmiert. Was stört die dämliche Presseschelte über ein paar verlorene Stimmen die deutsche CSU-Eiche, wenn 5 Jahre Macht und Geld die Belohnung fürs Koalitionsschütteln sind?

Boom as usual – Zinsfalle hält die Branche im Kuschelgriff: Die Expo Real Botschaften sind einfach. Mieten steigen weiter. Flächen werden knapper. Bau ist Engpass. Finanzierung bleibt vernünftig. Städte-Trend geht weiter. Konzerne drängen in die Metropolen. Büronachfrage zieht Wohnungsnachfrage. Research kennt die Zukunft. Steigende Mieten heilen hohe Preise. Die Zinsen bleiben niedrig. Zinserhöhungen bleiben homöopathisch. Anlagealternativen gibt es nicht. Ein Abflachen der Miet- und Preisfunktion stört nicht. Aber einen Unterschied gab es doch. Die Frage, wie lange es wohl noch so weitergehen könne, wurde nur noch pro forma gestellt.

Die Expo Real 2018 war eine Messe des „weiter so“. Boom as usual begleitet uns die kommenden beiden Jahre. Die Zinssituation ist ein Game Changer. Rational kann ich nicht widersprechen. Die Liste der „noch nie“, die das aktuelle Umfeld beschreiben, war „noch nie“ so lang wie heute (siehe Editorial Nr. 429). Die Zinssituation macht Zombies bei Staaten, Unternehmen und Immobilien zu Siegertypen. Deren Fall will keiner sehen. Die Immobilienwirtschaft lebt marktseitig auf der Insel der Seligen. Die Immobilienbranche vergisst aber zunehmend, dass sie ausschließlich Dienstleister für den späteren Nutzer ist. Die Kapitalanlage ist nur Nutznießer der Mieter. Dennoch wandelt sich die Branche langsam und kaum merklich in einen Dienstleister für die Kapitalanlage.

Es ist aber noch nie gutgegangen, wenn die Kapitalanlagenachfrage die Nutzernachfrage überholt. Kapital ist scheu. Bei annähernd erreichter Vollbeschäftigung ist der Rückenwind durch zunehmende Nutzernachfrage endlich. Die immer nachhaltigere Immobilienqualität deckt immer mehr Bedürfnisse immer längerfristiger ab. Nach der JahrtausendwendeÜberbauung überholt zum ersten Mal die konjunkturelle Nachfrage das Angebot. Das ist aber endlich. Blicken Sie einmal auf die Stimmungsänderung in der Wirtschafts-Presse. Jetzt wird aber für die nächste Dekade gebaut – sicherlich noch „vernünftig“. Vernunft ist aber auch endlich. Vernunft unterliegt immer singulären Interessen. Der Kapitalanlage-Excel-Sheet rechnet die Ist-Entwicklung in die Zukunft hoch. Heutige Investments beruhen im Core-Bereich auf dem Prinzip Hoffnung bei Mieten und Preisen. Schon im Status quo geht die immobilienwirtschaftliche Mathematik nicht mehr auf. Die Kapitalanlage hat aber keine Alternativen zur Immobilie. Aber was sollen die Manager machen, denen täglich Geld vor die Haustüre gekippt wird. Alternativlosigkeit war aber noch nie ein guter Ratgeber.

Positives zum Schluss: Das Weltwirtschaftsforum kürte Deutschland zum innovationsfähigsten und wettbewerbsfähigsten Land der Welt. Das waren wir auch vor 30 Jahren bis zur Wiedervereinigung. Ich fühle mich an meine 90er Jahre Vorträge erinnert, denn 5 Jahre später war Hochzeit der Untergangspropheten. Damals durfte ich aber noch sagen: „Habt ihr den … schon mal beim Arbeiten zugeschaut? Glaubt Ihr wirklich, dass die uns überholen? Glaubt Ihr wirklich, dass Deutschland ausstirbt?“ Das sozial ausgewogenste, sicherste, liberalste und schönste Land der Erde wird nicht aussterben, prophezeite ich damals und wiederhole es heute. Heute müssen wir aber lernen, unsere freiheitliche Demokratie zu erhalten und dennoch unsere Assets an die richtigen Zuwanderer zu verkaufen und nicht als freies Gut für die Welt zu verschenken.

Werner Rohmert, Herausgeber

Den aktuellen Immobilienbrief der Research Medien AG finden Sie hier:

Der Immobilienbrief Nr. 435

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