immobilienbrief_beteiligungsreport_deEditorial aus dem aktuellen Immobilienbrief von Werner Rohmert:

Sehr geehrte Damen und Herren,

glauben Sie keiner Statistik. Glauben Sie mir. Glauben Sie Ihren eigenen Augen. Deutschland steigt wieder in den normalen Immobilienzyklus ein, der durch das Zwei-Zyklen-Überangebot der Internet-Euphorie ausgesetzt war. Jede denkbare Lücke wird zugebaut und verdichtet. Rechnen Sie in Ihrem Markt doch einmal aus, was Sie sehen. SchwarmstadtWohnungsprobleme bonitätsferner Mieter führen zur „Wohnungsnot“-Linderung durch 4.000 bis 6.000 Euro Neubau. Welcher Taxifahrer oder Normalo-Angestellter mit zwei Kindern soll sich Kauf oder adäquate Miete leisten? Außerdem haben die alle heute schon eine Wohnung. Die Mietentwicklung flacht jetzt spürbar ab. (Vgl. S. 19 F+B-Artikel). Wie sich auf Höchstmieten kalkulierte verwaltungsintensive Wohnungsinvestitionen oder Gewerbe-Core mit einer „2 vor dem Komma“ nach Kosten rechnen sollen, bleibt dem Mieterhöhungs-Excel überlassen. Was aus vielen Investments wird, wenn der Zins um nur 1% ansteigt, könnte Bewerter, Banken und Amtsgerichte nachdenklich machen. Vielleicht „rettet“ uns ja eine Rezession. Machen Sie sich aber keine Sorgen. Eine frühere Anpassungs-Rezession ist besser als ein späterer Crash.

Außerdem machen schwierige Märkte doch viel mehr Spaß. Da können Sie Ihr Know how ausspielen. Wettbewerb heißt „besser sein“. Das macht Spaß. Das war mein aktives Immobiliengeschäft. Dann macht auch Analysieren wieder Spaß. Wen interessiert noch so heftige Presse-Kritik, wenn der so erhöhte Bekanntheitsgrad den Immobilien-Kletterer nur weiter nach oben schiebt. Ein geschmackvoll angebrachter kritischer Schubs macht doch viel mehr Sinn, wenn der Kletterer ganz oben steht, noch in den Himmel schaut und die Schwerkraft durch den Schubs Wirkung entfaltet, bevor sich der Kletterer auf den geordneten Abstieg vorbereiten kann.

Vergangene Woche feierte die größte immobilienwirtschaftliche Fakultät Deutschlands, die EBZ Business School in Bochum, ihr zehnjähriges Jubiläum. In dem High-Tech Umfeld des EBZ-Neubaus wurden an das Auditorium einige Fragen gestellt, die per Smartphone zu beantworten waren. Eine davon war, wer der Meinung sei, dass in der vergangenen Dekade in der Immobilienwirtschaft sehr starke Veränderungen stattgefunden hätten. Von fast 100 Teilnehmern war lediglich ein einziger der Meinung, dass sich nicht viel geändert habe. Das Podium begründete eine rasante Entwicklung der Immobilienwirtschaft mit Digitalisierung, BIM, Regulatorik, energetischen Vorgaben, Finanzierung, Internationalisierung, Portfolien und Datenräumen. Das Geschäft habe sich grundlegend verändert. Das ist alles richtig. Das verstehe ich. Ich muss mich dennoch outen. Die Gegenstimme war von mir. Denn das Grundverständnis der Immobilie, der existenzielle Blick auf den Markt und den Nutzer, hat sich nicht geändert.

Liebe Studierende, bedenken Sie, was Sie heute lernen, ist morgen Wissen von gestern. Änderungen sind selbstverständlicher Bestandteil unserer Berufung. Nur wenn Sie an der Uni die Bereitschaft zu lebenslangem „Lernen“ gelernt haben, war Ihr Lernen nicht umsonst. Sorry, „umsonst“ sowieso nicht. „Vergeblich“ wäre der bessere Ausdruck. Wenn Sie der Meinung sind, Gesetzeskenntnis, Datenraum-Verständnis, BIM und Social Media sei die Immobilienwirtschaft von morgen, werden Sie in die Lernkurve einsteigen. Meine Diplomarbeit habe ich noch mit Lochkarten geschrieben. Als ich in die Immobilienwirtschaft einstieg, waren zentrales Fax und Kugelkopfmaschine mit Speicher noch Standard. Der PC änderte die Welt und blieb für annähernd 15 Jahre Stand der Technik. Aber PC’s sind nichts anderes als geniale Kreuzungen zwischen Karteikasten und Rechenschieber. Die Kommunikation brachte die Revolution. Jeder Schreibtisch an jedem Platz der Welt war zu jeder Zeit zum vollwertigen Arbeitsplatz in jedem Markt geworden. Mit dem Internet änderten sich 1993 die Spielregeln.

Liebe Studierende, sorgen Sie immer wieder und ohne Unterbrechung dafür, dass SIE morgen nicht von gestern sind. Immer schnellere Änderungen werden immer normaler. Nehmen Sie sich nicht so wichtig. Denken Sie nicht über Änderungen der letzten 10 Jahre nach. Denken Sie über Änderungen der nächsten 10 Jahre nach. Verlieren Sie nicht die Liebe zu dem, was uns ausmacht – das Immobiliengeschäft. Die Immobilien, die wir heute bauen, nicht BIM und Excel, sind unsere Höflichkeit gegenüber unseren Enkeln.

Werner Rohmert, Herausgeber

Den aktuellen Immobilienbrief der Research Medien AG finden Sie hier:

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