Frankfurt, 24. August 2020 – Im zweiten Quartal 2020 zeigen die jüngsten Daten eine starke Abschwächung der globalen Wirtschaftsleistung. Mit einem derzeit prognostizierten Minus von 5 Prozent liegt das Wirtschaftswachstum im Corona-Jahr 2020 noch deutlich unter der negativen Entwicklung während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Arbeitsplätze werden verloren gehen, einige Unternehmen den Turnaround nicht schaffen. Allerdings gab es in den letzten Wochen auch erste Anzeichen einer schrittweisen Stabilisierung: Die Verbraucherstimmung und die Stimmung in den Unternehmen könnten ihren Tiefpunkt erreicht haben. Fragil bleibt die Situation weltweit allemal. Die finanzpolitischen und monetären Stützungsmaßnahmen der Regierungen könnten in den kommenden Jahren vielerorts und für einige Branchen notwendig bleiben.

„Ohne Frage, es wird ein hartes und langes Stück Arbeit, die Wirtschaft wieder auf’s Gleis zu setzen. Erste Lockerungen mussten in einigen Ländern teilweise wieder zurückgefahren werden. Das Risiko einer zweiten Pandemie-Welle bleibt nach wie vor bestehen mit einem erneuten Lockdown in der Konsequenz. Gerade hat es Spanien und die Balearen mit voller Wucht erwischt, darunter leidet nicht nur die Tourismusbranche“, so Hela Hinrichs, Senior Director, JLL EMEA Research & Strategy. „Weltweit arbeiten einige Unternehmen nach wie vor weiter mit begrenzter Kapazität, teilweise durch Regierungserlass. Auch die Verbraucher agieren längst nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau“.

Die beispiellosen Auswirkungen von COVID-19 auf die Makroökonomie führten zu einem dramatischen Rückgang des globalen Transaktionsvolumens im zweiten Quartal: im Jahresvergleich mussten für die Monate April bis Ende Juni Einbußen von 55 Prozent auf 107 Mrd. USD hingenommen werden. Damit bilanziert das Halbjahresvolumen direkter gewerblicher Immobilieninvestments in über 50 Ländern 321 Mrd. USD, entsprechend einer Reduzierung um 29 Prozent. “Es ist das niedrigste Transaktionsvolumen seit dem ersten Halbjahr 2012,“ so Hela Hinrichs. Am stärksten im Jahresvergleich gelitten haben gemischt genutzte Immobilien (-57%) und Hotels (-50%). Büro- und Retailobjekte mussten Einbußen von jeweils circa einem Drittel hinnehmen. Weniger stark waren die Assetklassen Health-Care (-22%) und Logistik betroffen
(-13%). „Gut gelaufen sind Transaktionen in alternative Assets wie Datencenter oder vor allem in der Region Asien-Pazifik Bildungseinrichtungen, die, wenngleich auf niedrigem Niveau, sogar minimal zulegen konnten“.

Keine der drei Weltregionen blieb im zweiten Quartal und damit auch in den ersten sechs Monaten verschont: der amerikanische Kontinent litt mit einem Minus von 72 Prozent (USA: -74%) bzw. – 37 Prozent jeweils gegenüber dem Vorjahreszeitraum am stärksten unter der Zurückhaltung der Investoren, gefolgt vom asiatisch-pazifischen Raum (Q2: – 39%, H1: – 32%). EMEA kam aufgrund von einigen Überhängen aus Vor-Corona-Zeiten, mit Abschluss insbesondere im ersten Quartal, noch recht glimpflich davon und konnte bis zur Jahresmitte ein Transaktionsvolumen von 116 Mrd. USD verbuchen. Der prozentuale Rückgang war mit 13 Prozent vergleichsweise moderat.

„Reisebeschränkungen, eine generell zunehmende Verunsicherung und sich weiter verschärfender wirtschaftlicher Gegenwind ließen Verhandlungen stocken oder machten Verschiebungen erforderlich. Vielerorts wurden Transaktionen sogar ad acta gelegt”, so Hela Hinrichs. Hinrichs weiter: „Zu beobachten war auch, dass sich Märkte mit höherer Transparenz und einem breiten Fundament an inländischem Kapital als widerstandsfähiger erwiesen und eine bessere Performance zeigten als Märkte ohne diese Voraussetzungen. Beide Voraussetzungen sind zunehmend relevant angesichts der bestehenden intra- und interregionalen Reisebeschränkungen und der zu bewältigenden Herausforderungen, um eine sorgfältige Due Diligence durchführen zu können.“ Die Erwartungen für eine Erholung auf den Investmentmärkten seien sehr unterschiedlich. Während die Märkte in der asiatisch-pazifischen Region bei selektiv zunehmenden Geschäftstätigkeiten als erste wieder mehr Investmentaktivitäten auf sich ziehen dürften, werde das Volumen der Transaktionsabschlüsse in den USA und in Europa in den kommenden Monaten eher verhalten bleiben. „Wir gehen aber generell davon aus, dass wieder deutlich mehr Investoren bereit sind, Verhandlungen auch Abschlüsse folgen zu lassen. Die Transaktions-Pipelines zumindest haben sich in den letzten Wochen wieder gefüllt. Ähnlich wie bereits in Asien zu beobachten, könnte auch auf dem amerikanischen Kontinent und in EMEA ein Fokus auf Joint Ventures, Fonds und Plattforminvestitionen zu beobachten sein”, so Hela Hinrichs.

Quelle: JLL (PM vom 24.08.2020)