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Category Archives: Kritisch berichtet

Mark my words: Patrizia Grundbesitz – AIF – München, Leopoldstraße 208 – Antworten von Patrizia

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Folgender Bericht wurde von uns im BeteiligungsReport 02-2017 veröffentlicht:

Patrizia Grundbesitz – AIF – München, Leopoldstraße 208

Der Aufwand und die Voraussetzungen der Regulierung sind schon enorm – sowohl für Emissionshäuser als auch für Vertriebe bis hin zur Aufsicht. Als allgemeine Aussage ist festzuhalten: Die Regulierung hat sich gelohnt, da die Anlegersicherheit dadurch erhöht und die Kontrolle verbessert wurden.

Um so erstaunlicher ist, dass ein führender Vertreter im bsi Bundesverband für Sachwerte und Investmentvermögen – Andreas Heibrock – einen Alternativen Investmentfonds auf den Markt bringt, der zahlreiche Fragen aufwirft.

Das Überraschende dabei: Dieses regulierte Investmentvermögen ist durch einige Bankenprüfungen gekommen und wird dort rege vertrieben. Hier einige Fragen, die sich diese Banken scheinbar nicht gestellt hatten:

Wer einen Blick in die Investitionsplanung wirft, dem wird ein Punkt sofort ins Auge springen: Neben der Eigenkapitalvermittlungsgebühr von 2,635 Millionen Euro schlägt eine Finanzierungsvermittlungsgebühr mit 2,2 Millionen Euro bei einem Fremdkapital von 20,75 Millionen Euro heftig zu Buche. Das sind über 10 Prozent. Wie kann das begründet werden?

Die Liquiditätsreserve von 3,677 Millionen Euro liegt zwar bei 6,9 Prozent auf Basis der Gesamtanschaffungskosten, dies sind aber wiederum deutlich über 10 Prozent des Eigenkapitals von 32,6 Millionen Euro. Warum benötigt der Fonds solch eine hohe Liquiditätsreserve? Eine Antwort auf die Liquiditätsfrage ist sicher, dass die anfänglich geringere Miete der Privatschule Bavarian International School e.V. in den ersten Jahren subventioniert wird. Bedeutet das, dass der Anleger in den ersten Mietjahren einen Teil der Miete durch das Eigenkapital an sich selbst zahlt?

Das wirft eine ganz andere Frage auf: Wie kann der Augsburger Gutachter der Ankaufsbewertung einen angemessenen Kaufpreis von 41,7 Millionen Euro bestätigen, wenn die Mieteinnahmen, auf denen das Gutachten basiert, in den Anfangsjahren nicht erwirtschaftet werden, sondern durch den Anleger selbst subventioniert werden?

Trotzdem ist auch die Differenz zwischen dem m. E. zu hoch angesetzten gutachterlichen Wert von 41,7 Millionen Euro und der Gesamtinvestitionssumme von 53,389 Millionen Euro eklatant. Wie kann sich diese Investition überhaupt rechnen?

Apropos Finanzierung: Diese ist zwar mit 0,92 Prozent zu einer interessanten Kondition abgeschlossen, jedoch ist ein Tilgungssatz von einem Prozent hierfür astronomisch zu niedrig. Das bedeutet, dass am Ende der Zinsfestschreibung 30.12.2026 lediglich etwa 10 Prozent getilgt wurden – was etwa 2 Millionen Euro entspricht – und damit bei Weitem nicht einmal die Differenz zwischen gutachterlichem Wert und Gesamtinvestition aufgeholt wurde, die etwa 12 Millionen Euro entspricht. Warum wird der Anleger einem derartigen Risiko ausgesetzt?

Bei all diesen angesprochenen erheblichen Konzeptionsrisiken stellt sich zum Abschluss die Gretchenfrage: Rechtfertigt eine Risikoprämie von 4 Prozent mit wenig Phantasie nach oben diese Anlage? Diese Frage muss jeder Investor für sich selbst entscheiden.

Als langjähriger Marktbeobachter kann ich mich nur wundern, dass ein führender Vertreter des  Sachwerteverbandes, der mantraartig die Qualität der Regulierung besingt, solch einen AIF an den Markt bringt und Anleger mit einem 20-jährigen Mietvertrag und vermeintlichen Sicherheitsbausteinen blendet.


Andreas Menke von Patrizia gab dazu folgende Antworten:

Die Vergütungen für die Finanzierungsvermittlung betragen 4,92 % bezogen auf die anfängliche Nominalsumme der vermittelten Finanzierungen (vgl. hierzu auch bspw. S. 72 des Verkaufsprospekts). Vermittelt wurde ein langfristiges Darlehen (20,75 Mio. Euro) sowie eine Eigenkapitalzwischenfinanzierung (24,0 Mio. Euro). Details hierzu finden Sie auch auf S. 31f des Verkaufsprospekt. Im Zuge einer sachgerechten Berichterstattung sollte stets die Gesamtheit aller Vergütungen betrachtet und mit dem Marktüblichen verglichen werden. Hieraus ergibt sich, dass die an die Kapitalverwaltungsgesellschaft gezahlten Vergütungen für die von ihr erbrachten Dienstleistungen absolut sachgerecht und im Rahmen dessen was üblicherweise für vergleichbare Fonds erhoben wird sind.

Die Höhe der Liquiditätsreserve erklärt sich hauptsächlich durch die sehr wahrscheinliche Anmietung der bisherigen Tankstellenflächen durch den BIS e.V. ab dem Jahr 2022. Detaillierte Annahmen hierzu sowie zu den kalkulierten Kosten finden Sie auf S. 78 des Verkaufsprospekts.

Im Rahmen des Kaufvertrags wurde mit dem Verkäufer ein Immobilienwert von 41,46 Mio. Euro vereinbart. Von diesem wurden die entgangenen Mieteinnahmen, die durch die Staffelmietvereinbarung mit dem BIS e.V. in den Jahren 2017 und 2018 im Vergleich zum ersten „vollen“ Mietjahr 2019 entstehen  vom Kaufpreis abgezogen. Alternativ hätte auch die komplette Summe an den Verkäufer ausbezahlt werden können, damit dieser sie in monatlichen Raten an die Fondsgesellschaft als Mietgarantie zahlt. Wir haben uns für die aus unserer Sicht vorteilhaftere Variante entschieden die Summe vom Kaufpreis einzubehalten. Dies hat zum Einen vorteilhaftere steuerliche Effekte und zum Anderen ist damit sichergestellt, dass der AIF bereits per heute über die Summe verfügen kann und nicht auf zutun des Verkäufers angewiesen ist. Details hierzu finden Sie bspw. auf S. 26 des Verkaufsprospekts. Auch bestehen kaufvertragliche Verpflichtungen für den Fall, dass es zu einer ungeplanten Erhöhung der Mietzahlungen des BIS kommt, dass diese als Kaufpreiserhöhung an den Verkäufer zu leisten sind. Daher ist es aus Gründen der kaufmännischen Vorsicht nötig diesen Betrag in der Liquiditätsreserve vorzuhalten. Details hierzu finden Sie bspw. auf S. 24 des Verkaufsprospekts. De facto handelt es sich hierbei um eine marktübliche Mietgarantie, die jedoch nicht die üblichen Nachteile einer Mietgarantie aufweist.

Das Wertgutachten weißt einen Wert aus, der rd. 240.000 Euro über dem vereinbarten Immobilienwert der Transaktion liegt. Unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen bzgl. des Kaufpreisabzugs der Mietgarantie können wir keinerlei Widersprüche erkennen. Wenn die Mieteinnahmen in voller Höhe flössen, wäre der finale Kaufpreis bei 41,46 Mio. Euro. Dadurch dass die Summe der  Mietgarantie vom Kaufpreis abgezogen wird beträgt der Kaufpreis derzeit rd. 40,0 Mio. Euro. Dies entspricht der üblichen konsistenten Herangehensweise für derartige Transaktionen und steht im Einklang mit dem Wertgutachten.

Die Höhe der Gesamtinvestitionskosten berücksichtigen neben der Ankaufsnebenkosten (bspw. Grunderwerbsteuer) sowie den marktüblichen Honoraren auch die Bildung einer sachgerechten Liquiditätsreserve in Höhe von rd. 3,7 Mio. Euro. Da diese Summe wie dargelegt zum geplanten Umbau der Tankstellenfläche in Büro-/Schulflächen für die BIS verwendet werden soll, stellt diese ein wertsteigernde Investition dar und führt in der Folge zu signifikanten Mietsteigerungen und zu einem Wertzuwachs der Immobilie.

Bereits zur Auflage des Fonds beträgt die Fremdkapitalquote des AIF nach Einwerbung des Eigenkapitals lediglich 38,9%. Inwiefern eine höhere Tilgung als 1% p.a. sachgerecht sein soll erschließt sich uns nicht. Durch den geplanten Umbau der Tankstellenflächen ist von einer Wertsteigerung der Immobilie auszugehen mit entsprechender Auswirkung auf die Fremdkapitalquote. Höhere Tilgungen führen dazu, dass der Anleger ein höheres steuerliches Ergebnis zugewiesen bekommt und daher mehr Steuern bezahlen muss. Eine höhere Tilgung reduziert daher lediglich das Risiko der Bank, jedoch nicht das des Anlegers da keinerlei Covenants in den Darlehensverträgen vereinbart sind. Wie Sie richtig anmerken ist die Fremdfinanzierung zu „interessanten Konditionen“ abgeschlossen. Sei es der Zins oder die nicht vorhandenen Covenants, so hat das finanzierende Institut das Konzept als äußerst tragfähig eingestuft, sonst wären derlei Konditionen nicht möglich.

 

 

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Neues PDF-Magazin „Der offene InvestAnalyseBrief“ aus dem Hause Rohmert Medien mit Chefredakteur Edmund Pelikan

Titel InvestAnalyseBrief

Titel InvestAnalyseBrief

In eigener Sache:  

Landshut, 01.06.2016 – „… jetzt machen Rohmert und Pelikan auch noch den anderen Teil des KAGB – offene Investmentvermögen – unsicher, werden sich manche denken. Der Verlag Research Medien berichtet seit Jahren fundiert und kritisch von allen Arten und Regionen der Immobilieninvestition. Und der epk media Verlag ist Fachmedium für die gesamte Bandbreite von Sachwertanlagen. Als gemeinsames Projekt wird bereits seit Jahren der Deutsche BeteiligungsPreis vergeben.

Aber offene Investmentfonds? Gerade seit der Einführung des Kapitalanlagegesetzbuches sind offene und geschlossene Investmentvermögen näher zusammengerückt. Dem tragen die beiden Verlage Rechnung. Werner Rohmert und Andre Eberhard berichten seit Jahren auch über offene Immobilienfonds. Edmund Pelikan ist als gelernter Banker und Publizist zahlreicher Literatur von Basiswerken für den Deutschen Industrie- und Handelstag wie „Bankprodukte für den privaten Haushalt“ über „anders investieren“, ein Buch über die nachhaltige Geldanlage, bis hin zu den Streitschriften „Monetäre Demenz“ und „Pseudologie der Finanzpolitik“ nahe am Thema dran. Daneben ist er auch als Sachverständiger tätig, z.B. im Finanzausschuss. Gerade die aktuelle Marktsituation und der blinde unkritische Umgang mit offenen Investmentfonds reizt, das Thema kritisch aufzugreifen.

Denn es ist wieder soweit: offene Fonds machen zu. Dieses Mal aber nicht, weil sie zu wenig Liquidität aufweisen wie 2010 die geschlossenen Immobilienfonds, sondern weil sie zu erfolgreich sind. Einige Fonds können die großen Zuflüsse nicht mehr adäquat anlegen und stoppen deshalb die Annahme von neuen Geldern. Was für eine verrückte Welt!

Eine ähnliche Tendenz ist bei Mischfonds zu erkennen. Die Bundesbank weist einen Mittelaufkommen von über zehn Milliarden Euro – sprich Nettoneugeschäft bei Privatanlegern – für 2015 aus, bei allen Fondsgattungen liegt der Wert jenseits der sagenhaften 70 Milliarden Euro. Und Banken treiben die Anleger weiter in diese Assetklasse, obwohl Kursstürze in den nächsten Jahren nach Ende der Nullzinsphase absehbar sind. Eine aktuelle Studie des Analysehauses Feri EuroRating zeigt die Probleme auf. Dabei wird der gravierendste Mangel von offenen Investmentfonds deutlich: nur ganz wenige der Manager schlagen den jeweiligen Vergleichsindex. Grund sind hohe Kosten, zyklisches Handeln und mangelndes Interesse am Anleger. Denn auch bei Misserfolg regnet es Boni.

All das sind Gründe, warum Werner Rohmert und Andre Eberhard vom Reseach Medien Verlag gemeinsam mit Edmund Pelikan vom Verlag epk media sich dazu entschlossen, den Finger in die Wunde der offenen Investmentvermögen zu legen. Wir werden gemeinsam Kostenmonster entlarven, Studien genauer ansehen und Underperformer aufspüren. Neben Herausgeber und Chefredakteur werden einige namhafte marktbekannte freie Journalisten und Autoren für den InvestAnalyseBrief schreiben. Da kann man nur wünschen: viel Freude beim Lesen und bleiben Sie finanzkritisch!

Ihr Edmund Pelikan

Link InvestAnalyseBrief

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Finanztest hat wieder das Fallbeil ausgepackt

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Kommentar von Edmund Pelikan

Die Zeitung Finanztest hat turnusgemäß zum Herbst wieder einmal geschlossene Fonds unter die Lupe genommen. Der Artikel fand ein breites Medienecho, was immer wieder die hohe Akzeptanz des Stiftung Warentest Ablegers unterstreicht. Sicher ist auch, dass die Untersuchung weitgehend richtig durchgeführt wurde und die rund 1.100 untersuchten Fonds tatsächlich schlechte Werte ausweisen.

Aber es verhält sich hier wie bei allen statistischen Untersuchungen frei nach dem Motto: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast! Wobei hier Fälschen nicht für Berechnungsfehler steht, sondern für eine – sagen wir – sehr eigene Auswahlmethodik. Denn es gab in der Vergangenheit weit mehr als 1.100 Beteiligungen in Sachwerte. In der sogenannten FeriStudie der Beteiligungsprodukte von 2011, die die Fortführung der Loipfinger Studie ist und bis Anfang der 90er Jahre zurückreicht, werden allein dort durch Schätzung  rund 7.000 geschlossene Fonds aufsummiert – wobei zahlreiche Initiatoren keine Angaben machten. Unterstellt, dass man also weit über 10.000 Fondsprodukte  hatte, werden hier gerade einmal 10 Prozent betrachtet.

Es kommt einem so vor, dass man eine Studie im Gefängnis der Wirtschaftsverbrecher macht und sich dann wundert, dass 90 Prozent und mehr straffällig sind. Der Rest sitzt dementsprechend unschuldig im Gefängnis. Der BeteiligungsReport wird sich den Artikel nochmals ausführlich ansehen und kommentieren, aber schon jetzt ein kurzes Resümee: Ja, zu viele geschlossene Fonds haben ihre Ziel verfehlt und Anlegergelder vernichtet. Da befinden sie sich in schlechter Gesellschaft mit einigen Bankprodukten und regulierten Produkten. Und wenn man die Skandale der Prokon-Genussrechte, die die eigentliche Ursache der Pleite des Windkraftfinanzierers waren, in einen Topf wirft mit geschlossenen Fonds, muss man an der fachlichen Kompetenz der Autoren zweifeln.Und zu guter Letzt – auch das ist richtig im Artikel angesprochen worden – werden einige Gründe für die Anlegergeldvernichtung durch das Kapitalanlagegesetzbuch wegfallen. Leider nicht alle!

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Die Politik der Gesetzes- und Wortbrüche hat eine neue Dimension erreicht!

RettungsringNach dem Griechenlandreferendum folgt nun das 3. Hilfspaket über mehr als 80 Milliarden Euro

Kommentar von Edmund Pelikan

Landshut, 14.07.2015 – Eigentlich sollte heute die Titelstory mein Newsbeitrag über das Griechenlandreferendum vom 05. Juli 2015 mit dem deutlichen Nein zur Akzeptanz der geforderten Sparpolitik sein. Ministerpräsident Alexis Tsipras hat für dieses Nein geworben, der dann „zurückgetretene“ Finanzminister Yanis Varoufakis beschimpfte die Troika-Vertreter als Terroristen und die 61 Prozent Nein-Sager der Griechen waren am Abend des Referendums auf den Straßen und tanzten. Tsipras sprach von einem Sieg der Demokratie und einer Stärkung seiner Verhandlungssituation. Und ….. die Banken blieben auch eine weitere Woche geschlossen, zum Schaden der Menschen und der Wirtschaft. Neben 100 Millionen Euro, was das Referendum gekostet haben soll, wurde nach Schätzungen der Troika ein volkswirtschaftlicher Schaden von etwa 25 Milliarden Euro angerichtet. Die spinnen, die Griechen, würde man jetzt im Asterix lesen. 

Diese Geschichte habe ich letzte Woche geschrieben und wollte sie heute im BeteiligungsReport UPDATE Juli 2015 als Leitartikel verwenden. Wer aber die Kurzlebigkeit von griechischen Geschichten kennt, merkt: Seit dem Montag Morgen – wir schreiben jetzt den 13.07. – muss alles umgeschrieben werden. Die Eurogruppe hat ein Hilfspaket über mehr als 80 Milliarden Euro einstimmig beschlossen inklusiv einem Treuhandfonds und einem massiven Sparprogramm. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker spricht davon, dass es keine Gewinner und Verlierer gibt. Tsipras sprach davon, dass er hart für die Griechen gekämpft hat. Noch am Sonntag sagte die Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die wichtigste Währung namens „Vertrauen“ verloren gegangen ist. Als Beobachter wundert man sich, wie schnell es mit einer Vertrauens-Währungsreform gehen kann. Niemand stört sich daran, dass der politische griechische Pitbull noch vor zwei Wochen den Verhandlungstisch wegen zu vieler Sparforderungen verlassen hatte. Niemand redet davon, dass Tsipras als glaubwürdiger Verhandlungspartner ausscheidet. Es interessiert auch keinen, dass vermutlich wieder mehrere Worte und Gesetze gebrochen und bis knapp vor dem Bersten gespannt werden.

Einige Beispiel hierzu:
-Ein NEIN-Referendum der griechischen Bevölkerung ist bereits nach einer Woche Makulatur.
-Die Bedingungen, die die Kreditvergabe des ESM regeln, treffen dem Vernehmen nach für Griechenland nicht zu.
-Die Rekapitalisierung der griechischen Banken ist eine Sanierung und nicht die Lösung eines „Liquiditätsproblems“.
-Ab wann wird die EZB wieder weitere griechische Staatsanleihen ankaufen?
-Merkel spricht davon, dass es keinen „klassischen“ Schuldenschnitt geben wird – ein modischer „Haircut“ ist in Vorbereitung trotz Verbot in den EU-Verträgen.
-Italien, Spanien und Portugal scharren bereits mit den Hufen. Da nun eine rote Linie überschritten wurde, wird es bei diesen Ländern nun kein Halten mehr geben. In den nächsten zehn Jahren werden wir eine Fortsetzung der Staatsverschuldungsorgie sehen.
-Amerikanische Politiker und auch Ökonomen setzten Deutschland massiv unter Druck, an geführt von Barack Obama und zwei Nobelpreisträgern. Das Thema ist meist die strategische Bedeutung von Griechenland.

Fakt ist, dass die europäische und die amerikanische Politik seit Langem den Pfad einer freien Marktwirtschaft globalökonomisch verlassen haben. Der Ruf nach gelenkten und politischen Märkten ist nicht mehr nur eine Forderung von Sozialisten, sondern bereits Realität. Wer von einer neoliberalen Wirtschaftspolitik lamentiert, missachtet die Wirklichkeit. Ökonomische Idole wie der französische Star-Ökonom Thomas Piketty oder der in fünf Monaten zur Galionsfigur der linken Wirtschaftsprofessoren avancierte Yanis Varoufakis bieten den Umverteilungspolitikern die Grundlage, um eine experimentelle Ökonomie zu beleben, die unweigerlich die Züge einer Planwirtschaft trägt. Der Kabarettist Vince Ebert hat in einem SZ-Interview vor Kurzem treffend eine Lanze für den Kapitalismus gebrochen: „Der Kapitalismus wird für etwas verteufelt, wofür er gar nichts kann. Wenn man sich ansieht, welchen Ländern es am schlechtesten geht, dann sind das interessanterweise die, in denen freie Marktwirtschaft überhaupt nicht existiert. Da herrscht oft purer Sozialismus, von dem die Menschen bis auf wenige Bonzen kaum profitieren.“

Nicht die freie Marktwirtschaft und der Kapitalismus sollten bekämpft werden, sondern Korruption, Veruntreuung, Subventionsbetrug und Verschwendung – und zwar egal in welchem Wirtschaftssystem. Wir zerbrechen uns derzeit den Kopf über Griechenland mit weiteren 80 Milliarden Krediten – oder muss man eher Spendengelder sagen – und das weit größere ökonomische Problem spielt sich in China ab. Binnen vier Wochen sind dort drei Billionen US-Dollar an Börsenwerten vernichtet worden, ein Teil waren Anlagegelder von chinesischen Kleinsparern, die durch den chinesischen Staat in die boomenden Börsenanlagen getrieben wurden. Der massive Kursverfall konnte nur durch intensive staatliche Stützungen gestoppt werden – eine besondere Art der kommunistischen Umverteilungspolitik.

Was sind nun die Folgen für die eigene Vermögensplanung? Glaube nie der Politik, ist der wichtigste Grundsatz. An DDR-Propaganda war man erinnert, als eine verantwortliche Bankerin der Notenbank einen Financial Times Artikel kommentierte: „Niemand hat die Absicht … (nein keine Mauer zu bauen) …. Bankguthaben ab 8.000 Euro um 30 Prozent zur staatlichen Liquiditätsversorgung zu kürzen!“ Man wird auch hier sehen, ob auch dies eine Unwahrheit war oder nicht. Kurz: Für die griechische Bevölkerung wird es schwer werden – sehr schwer. Und die anderen Europäer werden zahlen – und zwar lange, sehr lange.

Gibt es Profiteure? Der Glaube an die politische Lüge wird jedem, der letzte Woche spekulativ griechische Aktien gekauft hat, zum Vorteil gereichen. Aber das Problem ist damit nur verschoben und nicht gelöst. Zumindest kann man davon ausgehen, dass die Nullzinspolitik noch Jahre anhalten wird. „Alea iacta est!“, sagte Cäsar in Asterix, was so etwas bedeutet wie „Die Würfel sind gefallen“.

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Ex-Wölbern-Chef Schulte wegen Veruntreuung verurteilt

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Landshut, 20.04.2015 – Übereinstimmend melden verschiedene Medien, dass das Urteil gefallen ist:  Das Gericht hat Heinrich Maria Schulte zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Schulte bleibt aber in Untersuchungshaft. Das Gericht ist zur Überzeugung gelangt, dass der 61-jährige Arzt und Unternehmer rund 150 Millionen Euro aus dem Vermögen zahlreicher Fonds zweckentfremdet hat, davon nach Darstellung des Vorsitzenden Richters 50 Millionen Euro privat vereinnahmt hat. Verschwunden sollen 115 Millionen Euro der rund 35.000 Anleger sein. Die Verteidigung kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an.

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Reich mit Geiss: Eine Werbung, die daneben geht

Landshut, 24.03.2015 – Kommentar von Edmund Pelikan

reich-mit-geiss-screenshot

Quelle: www.reichmitgeiss.de

Mit meiner Tochter kämpfe ich immer mal wieder um das Montag Abendprogramm. Sie steht auf „Die Geissens“ und ich wüsste kaum Schlimmeres. Irgendwie erinnert mich dieser großkotzige Prolet an die S&K-Bilder, die derzeit wegen des nahenden Prozessbeginns wieder in den Medien präsent sind. Wenn es nach dem Motto ging, die Schönere gibt nach, müsste ja meine Tochter mir die abendliche Fernsehauswahl überlassen. Meistens jedoch räume ich das Feld, da ja eh noch immer viel Arbeit ansteht und ich mir im Zweifelsfall die eine oder andere Lektüre zu Gemüte führe.

 

 

 

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Quelle: www.welt.de

Die neue Werbekampagne „Reich mit Geiss“ schießt aber den Vogel ab. Sie spielt genau mit den Faktoren, die die Stiftung Finanzbildung mit ihrer ANTI-Anzeige aufdecken wollte. Da ist einer, der vermeintlich Millionen hat und diese Strategie verrät er nun. Nichtig ist, dass der Fonds schon vor dem Werbeengagement existierte und im Vergleich zu anderen dividendenorientierten Fonds eher Underperformer ist. Um eines klarzustellen: der Fonds ist nicht unseriös, die Werbung ist aber in puncto Geschmack daneben. Selbst die Depotbank des Fonds, Hauck & Aufhäuser, distanziert sich von dieser Werbung nach einem Welt-Bericht vom 18.03.2015.

 

 
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Die Stiftung Finanzbildung hatte vor einem halben Jahr ihre „Finanztraum-Anzeige“ geschalten, um auf unreelle Geldanlagen aufmerksam zu machen. Allen, die sich auf diese Anzeige gemeldet hatten, wurde folgender Text geschrieben und damit indirekt vor Werbungen im Stil von „Reich mit Geiss“ gewarnt:

Herzlichen Dank, dass Sie sich auf die Anzeige „Finanztraum“ bei uns gemeldet haben.
Wir freuen uns, dass wir Ihre Aufmerksamkeit erzielt haben.

Kennen Sie das Buch (1984) beziehungsweise den Film (2008) „Die Welle“ von Hans-Georg Noack. Dort startet ein Experiment aufgrund der Frage einer Schülerin, warum zwischen 1933 und 1945 sich so viel Menschen haben mitreißen lassen und ob das heute nicht mehr möglich wäre. Der Roman zeigt, dass es wahrscheinlich heute wieder möglich wäre.

Dadurch inspiriert haben wir von der Stiftung Finanzbildung uns überlegt, Anlegerschutz erlebbar zu machen und die Anzeige „Finanztraum“ entwickelt. Diese Anzeige hat bei Ihnen Gier ausgelöst. Und durch finanzpsychologische Mechanismen haben Sie verständlicherweise auf Slogans wie „Konzept der Milliardäre“, „absolut sicher“ und eine künstliche Verknappung von nur den „ersten 100 Rücksendungen“ aktiv reagiert.

Hätten Sie auch dieses ominöse Produkt gezeichnet? Sie und wir wissen es nicht und soweit wollten wir es auch nicht treiben. Aber viele kluge und vernünftige Anleger sowie Anlageprofis sind auf Betrüger wie Bernard L. Madoff oder Helmut Kiener hereingefallen, um zwei Fälle von verurteilten Anlagebetrügern zu nennen. Gegen zahlreiche wird derzeit verhandelt, wie zum Beispiel gegen die Frankfurter S&K Verantwortlichen, die mediale Aufmerksamkeit durch Megapartys mit Elefanten und Promis erlangten.

Natürlich sind selbst in Niedrigzinsphasen 12 Prozent Anlagerendite möglich, aber nie ohne Risiko. Ein Totalverlust ist in solchen Renditeklassen meistens möglich, ja sogar Teil des Systems. Entscheidend ist aber, dass sich der Investor darüber bewusst ist. Mehr Eigenverantwortung und Beschäftigung mit finanzwirtschaftlichen Fragestellungen ist anzuraten. Denn der gesetzliche Anlegerschutz ist eine Illusion. Gesetze erleichtern vornehmlich die Strafverfolgung nach Eintreten des Schadens. Schadensvermeidung erreicht der kritische und wissende Anleger durch Hinterfragung der Konzepte und der Suche nach dem „Weg des Geldes“.

Die Stiftung Finanzbildung entschuldigt sich, Sie verführt zu haben. Wir hoffen aber, dass wir Sie ein bisschen aufrütteln und Sie in einer kritischen Haltung bestärken konnten. Die Finanzwelt ist sehr spannend, wenn man sich mit ihr beschäftigt. Das Finanzbildungsmagazin Sinn&Invest der Stiftung können Sie sich kostenfrei unter www.sinninvest.de herunterladen. Bleiben Sie neugierig und kritisch!

Ihre
Stiftung Finanzbildung

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Aus dem BR-Update: Lloyd Fonds-Aktien müssen lange gehalten werden!

Kommentar von Edmund Pelikan

 

Grafik und Businessman

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Landshut, 20.03.2015 – Wenn man das Management der Lloyd Fonds AG derzeit in den Medien hört, ist die Entscheidung aus deren Sicht sehr klar: das Modell der Zukunft ist die Aktie. Wie sich bei dieser Überzeugung die Schiffsfondseigner fühlen, deren Fonds zu schlecht sind, dass sie ein Angebot bekommen haben? Aber sei´s drum: Es wird in Zukunft wie im Übrigen bereits in der Vergangenheit bei der Lloyd Fonds AG zwei Anlegertypen geben – den Aktionär und weiterhin den Kommanditisten. Wer der Bevorzugte künftig sein wird, scheint nach den zahlreichen öffentlichen Stellungnahmen von Vorstandsvorsitzenden Thorsten Teichert klar zu sein.

Aber ist Aktionär von Lloyd Fonds zu sein ein erstrebenswertes Ziel? In der Vergangenheit hatten diese Anleger nach 2008 wenig Freude: Kurssturz auf fast Pennystocksniveau und ausgefallene Dividenden. Außer Kosten nichts gewesen. Das liegt auch daran, dass wenige der Kommanditbeteiligungen so richtig performen. Mag das sicherlich zum großen Teil auch am darbenden maritimen Marktumfeld liegen, das Management hat aber auch keine positiven Outperformer-Qualitäten bewiesen. Da hilft auch wenig, dass kürzlich ein Analysehaus die Aktien auf einen Kursausblick von vier Euro hebt und der Kurs sich seit der Bewertungsankündigung kräftig nach oben bewegt hat.

Und nun soll es der Aktienumtausch richten. An einem grundlegenden Gedanken möchte ich aufzeigen, dass dies nicht das Allheilmittel sein wird. Bei der Aktien ist eine jederzeitige Handelbarkeit gegeben. So zumindest in der Theorie, und auch Thorsten Teichert führt dieses Beispiel immer wieder als Vorteil an. Das ist auch grundsätzlich richtig.

Aber der Aktienmarkt ist ein freier Markt, wo Angebot und Nachfrage regieren. Stellen wir uns nun weiter vor, dass die Kommanditisten, die den Aktienumtausch ihrer Schifffondsanteile in Aktien genau aus diesem Grund nicht nur akzeptieren, sondern sogar sehnsüchtig erwarten, um wieder an ihr Geld zu kommen, in der Anfangsphase eher ihr Waterloo erleben werden. Denn zum einen haben sie zu einem theoretischen mit Gutachten gestützten Kurs von 3,54 Euro ihre Aktien bekommen, Mitte März steht der Kurs der Lloyd Fonds-Aktie aber bei etwa 2,40 Euro. Wenn nun viele Neuaktionäre selbst nach einer gewissen Schamfrist verkaufen, wird der Kurs fallen, weil der Markt diese vermutlich nicht aufnehmen wird. Eine Ausnahme für dieses Szenario gibt es – wenn Institutionelle im großen Stil diese Aktien aufkaufen. Das bleibt den umtauschwilligen Aktionären zu wünschen, wetten würde ich nicht darauf.  Deshalb müssen sich diese Anteilseigner im Klaren sein, dass sie auch in der Aktie lange bleiben und gleichzeitig hoffen, dass das Management einen guten Job macht. Dies ist das  wünschenswerte Szenario, in dem die Umtauschaktionäre monetär mit einem blauen Auge oder sogar Gewinn aus dem Deal herauskommen werden. Ob es eintritt, ist mehr als fraglich.

Letztendlich muss jeder Kommanditist selbst entscheiden. Mir kommt es aber eher wie eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera vor. In jedem Fall sind Durchhaltevermögen und gute Nerven auch für die potentiellen Neuaktionäre gefragt.

 


Quelle: BR-Update 2/2015

Zum gesamten BR-Update 2/2015

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Aus dem BR-Magazin: Warum ein geschlossenes Investmentvermögen schief gehen kann bzw. muss

geschl_fondspleitenLandshut, 20.03.2015 – Es ist viel über schlechte Fonds geschrieben worden. Insbesondere die Schiffsfonds sind in der Krise. Aber auch die 90er Jahre führten durch die Sonderabschreibung auf Immobilieninvestments zu Investitionsfriedhöfen für Anleger. An dieser Stellen wollen wir künftig Gründe herausarbeiten, warum Fonds scheitern oder funktionieren. 

Zu Beginn der Serie wollen wir zunächst einmal einen Überblick über grundlegende Probleme geben, die zu einer Störung führen können. In der Regel sind diese sehr individuell und speziell und oft dem einzelnen Produkt geschuldet. Trotzdem kann man Blöcke bilden.

Störungen durch das Management
Diese Beschreibung ist im Grunde ein Euphemismus. Denn die Störung im Management umschreibt oft den Betrugsverdacht. Natürlich kann es auch durch häufigen Vorstandswechsel oder einfach Unfähigkeit zu Fondsproblemen kommen. Aber das meinen wir hier nicht damit. Es ist der Vorsatz, der den Betrug ausmacht. Und das wird zum Beispiel den Frankfurter S&K-Gründern von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen. Allein wenn man die Unternehmensfilme über die Firmenpartys mit Elefanten oder halbnackten Mädchen betrachtet, zeigt sich ein Bild von Protz und Verschwendung. Zu diesem Zeitpunkt muss immer die Frage gestellt werden, woher dieses Geld kommt – im Zweifelsfall wohl vom Anleger. Die Staatsanwaltschaft spricht von rund 250 Millionen Euro, die mutmaßlich veruntreut worden sind. Um so erstaunlicher ist, dass nicht wenige Banken eine positive Vertriebsanalyse durchgeführt hatten.

Seit Anfang 2013 sitzen die zwei S&K-Geschäftsführer und weitere Führungskrafte aus dem rund 150 Firmen umfassenden Konglomerat in Untersuchungshaft und bestreiten die Schuld. Seit Januar 2015 liegt nun die Anklageschrift vor. Man wird sehen, was der Prozess bringen wird. Einen Verlierer gibt es bereits: die privaten Anleger!

Störung durch Partner des Fonds
Das Emissionshaus kann noch so seriös sein, wenn man auf den falschen Regional- oder Fachpartner setzt, wird es für das Investment schwierig. So geschehen beim Waldfonds 2 des Hamburger Emissionshauses Nordcapital. Man investierte in rumänische Wälder. Holzinvestments waren Mitte der letzten Dekade en vogue. Leider hatte man kein Glück mit dem Fachpartner Esterhazy und wirklich Pech mit dem Verkäufer der Grundstücke. Denn die Eigentumsverhältnisse waren in der postkommunistischen Ära in Rumänien nicht eindeutig. Nach einem Bericht der Welt am Sonntag vom 18.01.2015 scheint der Verkäufer der Wälder diese durch mafiaähnliche Strukturen erschlichen zu haben. Es ist von Bestechung und Korruption die Rede. Nun steht die Rückforderung des Besitzes durch den rumänischen Staat im Raum.

Natürlich muss sich das Management die Frage erlauben lassen, warum man sich derart naiv in eine derartige Situation hat manövrieren lassen. Konkret ist derzeit von 22 Millionen Euro die Rede, das Gesamtvolumen rumänischer Wälder bei Nordkapital liegt bei 80 Millionen Euro. Wenig Trost gibt den Anleger, dass sich nicht nur die Hamburger hier an der Nase zur Schlachtbank führen ließen, sondern auch das bereits durch die Insolvenz in der Presse bekanntgewordene Windkraftunternehmen Prokon. Kurz gesagt: Unfähigkeit bei der Due Diligence trifft auf kriminelle Strukturen. Eine unangenehme Mischung zum Schaden der Anleger.

Störung des ökonomischen Umfelds
Der Tag, der in die finanzökonomischen Bücher eingehen wird – der Frankenschock am 15.01.2015, ausgelöst durch die Schweizer Notenbank. Diese gab kurz am späten Vormittag die Eurowiderstandslinie des Franken bei 1,20 auf. Die Folge: der Schweizer Franken explodierte und pendelte sich nach kurzer Zeit bei Parität ein. Als Ergebnis heißt das, dass Produkte Schweizer Unternehmen im Euro- oder Dollarraum teurer werden, Schweizurlauber mehr zahlen müssen und vor allem Kreditnehmer aus der Eurozone für ihre Schweizer-Franken-Kredite mehr zurückzahlen müssen – viel mehr, und zwar rund 20 bis 30 Prozent, je nach aktuellem Kurs.

Die Situation ist nicht neu. Bereits in der Zeit ab 2007 war der Wert des Franken langsam gestiegen und Kreditrückzahlungsbeträge bereits um bis zu 50 Prozent gestiegen. Einige Fonds, wie der IVG London Fonds „Die Gurke“, haben sich deshalb zum Anlagedesaster entwickelt. Schweizer-Franken-Darlehen sollen noch bei den Emissionshäusern wie MPC, Wölbern, Real I.S und CFB in den Portfolios schlummern. Es wird kolportiert, dass WealthCap den Switch rechtzeitig hinbekommen hat. Die Bestätigung dazu steht jedoch aus.

Bitter sind Beispiele wie beim CFB-Fonds 159. Der Fonds, der in Eschborn investiert und 2006 emittiert wurde, hatte seine Anleger noch 2012 über einen Wechsel der Frankenkredite in Euro abstimmen lassen und als Management sich wegen hoher Kosten klar gegen einen Wechsel ausgesprochen. Die Anleger folgten diesem Rat. Noch im Anlegerrundschreiben November 2014 bekräftigte man scheinbar diese Einschätzung. Die Folge in diesem Beispiel: die Franken-Tranche des Fondskredits wurde zum Einstand 2006 mit einem Wechselkurs zu 1,5498 CHF/EUR kalkuliert. Bereits im Geschäftsbericht 2013 war der Kurs zum 31.12.2013 bei 1,2276 CHF/EUR. Nach der Entscheidung der Schweizer Notenbank am 15.01.2015 entspricht der Kurs einer Parität, also etwa 1:1 mit derzeit minimalen Abweichungen. Und das bei einer Restschuld, die zum 31.12.2015 noch rund 83,5 Millionen CHF betrug. Die Lehre daraus: Experten glauben die Wahrheit zu wissen, aber sie haben tatsächlich genau so viel Ahnung wie Laien.

Fazit
Unabhängig von den einzelnen Störungsfaktoren ist der Anleger auf seinen gesunden Menschenverstand angewiesen. Wenn Projekte in Russland, Dubai, Panama oder anderswo mit potentiellem anderen Rechtssystem oder einem korrupten Umfeld realisiert werden sollen, erhört sich das Risiko massiv, und es sollte doppelt und dreifach über eine Investition nachgedacht werden. Wenn eine Anlage nur bereits durch eine kleine Änderung des wirtschaftlichen Umfelds stark aus der Bahn geworfen werden kann, geht der Charakter des Investments eher in Richtung Wette oder Spekulation. Dies muss man erkennen und nicht blind auf Experten vertrauen. Und ein Faktor ist in der gesamten Finanzbranche nicht zu unterschätzen – der Mensch. Versuchen Sie immer, die handelnden und entscheidenden Personen persönlich kennen zu lernen. Und dann entscheiden Sie, ob Sie diesem Menschen Ihr Auto für eine Spritztour oder Ihr Kind anvertrauen würden. Ihr Geld hat die gleiche Sorge verdient.

 


Quelle: Erstveröffentlichung Beteiligungsreport 1/2015, Autor Edmund Pelikan

 

Zum gesamten Beteiligungsreport (PDF)

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Aus dem BR-Magazin: Lloydfonds Aktienofferte an Schiffsfondseigner wirft Fragen auf

Der BeteiligungsReport stellt in der neuen Rubrik „Mark my words“ diese Fragen

 

© www.shutterstock.com

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Landshut, 06.03.2015 – Wenn ein Schiffskommanditist von dem aktiennotierten Emissionshaus das Angebot erhält, seine Kommanditanteile in Aktien umzuwandeln, stellen sich automatisch Fragen. Und wenn der Vorstandsvorsitzende der Lloydfonds AG Thorsten Teichert in der Zeitschrift Cash ein flammendes Plädoyer für den Umtausch hält, ist das verständlich, wirft aber weitere Fragen auf.

An einem Punkt wird das besonders deutlich. Die Frage: „Sind die Bewertungen, zu dem der Match stattfinden soll, fair?“ Die Aussage, die Teichert in dem zitierten Interview gibt, dass ein Vorteil der Kommanditisten die eingesparten Gebühren für Treuhand und Geschäftsführung sind, hat nämlich direkte Auswirkungen auf die Bewertung. Denn die Bewertung der Lloydfonds AG beinhalten durch die Pre-Money Betrachtung genau diese Einnahmen in der AG. Das bestätigt auch Thorsten Teichert auf Nachfrage telefonisch. Ist deshalb die Lloydfonds AG zu teuer? Die Frage kann nicht mit schwarz und weiß beantwortet werden. Die Wirtschaftsprüfer durch ihre Gutachten und der Aktienmarkt durch einen kräftigen Kurssprung goutiert derzeit die Strategie des Lloydfonds Vorstands.

Der BeteiligungsReport 01-2015 will Anlegern und Finanzdienstleistern in der neuen Rubrik „Mark my words“ einige Fragen aufzeigen. Dann muss jeder Anleger selbst entscheiden. Die Hürde ist hoch, denn mindestens 75 Prozent der Kommanditisten müssen zustimmen und somit Vertrauen in die künftige Strategie des Managements und der Lloydfonds AG setzen.

„Als Fachmedium und Sachverständiger in der Welt des Sachwertemarktes will der BeteiligungsReport Marktteilnehmer kritische Frage für laufende und neue Fonds an die Hand geben, die die Emittenten beantworten sollten“, skizziert Herausgeber Edmund Pelikan das Ziel der neuen Rubrik „Mark my words“, „wer keine Antworten gibt, sollte aus dem Vertriebsportfolio fliegen!“

Ein zusätzlicher Service des Verlages ist, dass Stellungsnahmen und Antworten der Emittenten auf die öffentlich gestellten Frage zeitnah auf der neu gestalteten Homepage www.beteiligungsreport.de veröffentlicht werden.

Der neue BeteiligungsReport steht kostenfrei als Basisversion zum Download bereit. Er ist als Printausgabe ab März 2015 im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel und als Abonnement kostenpflichtig inklusiv dem Faktenmagazin BeteiligungsReport Plus erhältlich.

Hier der Bestellschein für das BR-Printabo

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Griechenland lässt die Puppen tanzen – 2:0 gegen die europäische Finanzpolitik

Kommentar von Edmund Pelikan

 

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Landshut, 03.02.2015 – Eine Woche nach der Griechenlandwahl und die europäische Finanzpolitik ist angezählt. Konsequent spielen die Griechen das Spiel „good guy“ – „bad guy“. Beim Besuch des Europaparlamentspräsidenten Schulz in Athen wurde durch den griechischen Ministerpräsidenten noch gute Stimmung verbreitet. Einen Tag später zeichnete sich ab, dass dies nur Theater war und der Eurogruppenchef Dijsselbloem am Tag darauf durch den griechischen Finanzminister Varoufakis regelrecht vorgeführt wurde.

Die Troika-Kontrolleure werden rausgeworfen, die Privatisierungsbehörde quasi enthauptet und weitere Hilfsgelder abgelehnt. Die Argumentation ist gewagt, wenn Griechenland sagt, dass die Kontrollen und das Spardiktat entwürdigend seien. Als externer Beobachter kann man nur staunen, wie glaubwürdig das ein Land, das bereits tief im Bankrott steckt, rüberbringen kann.

Das wäre ähnlich, als wenn die Geschwindigkeitsbeschränkung in Deutschland nicht mehr durch die Polizei kontrolliert werden darf, weil eine Kontrolle und Bußgelder für Autofahrer ehrverletzend sind. Wenn diese kontrollfreie Zone im Straßenverkehr geschehe, wäre klar, dass Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder nichts anderes als Straßenrand-Dekoration wären.

Und das Erstaunliche: die Europäische Kommission und Deutschland knicken ein. Trotz der Drohgebärden aus Griechenland will die deutsche Regierung wieder über 20 Milliarden für Athen losschicken und der EU Kommissionschef Junker denkt laut darüber nach, die Troika-Kontrollen abzuschaffen.

Da kann man nur mit Obelix antworten: Die spinnen, die Berliner und Brüsseler!

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