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Category Archives: Kritisch berichtet

BVI fordert PRIIPs-Korrektur und Verschiebung des Starttermins

Frankfurt, 9. Mai 2018 – Der deutsche Fondsverband BVI rät dringend, wesentliche Stellschrauben der PRIIPs-Verordnung zu korrigieren, bevor sie in Deutschland alle Publikumsfonds erfasst.

Das wäre 2020 der Fall. Bislang erhalten Privatanleger nur bei Fondspolicen ein PRIIPs-Informationsblatt, kurz PRIIPs-KID. „Es wäre unverantwortlich gegenüber den Verbrauchern, die etablierten wesentlichen Anlegerinformationen künftig durch ein mangelhaftes PRIIPs-KID zu ersetzen“, kritisiert Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. „Die PRIIPsInformationsblätter müssen überarbeitet werden, insbesondere die Angaben zu Kosten und Wertentwicklung. Die EU-Kommission sollte dafür die für Ende 2018 vorgesehene Überprüfung der PRIIPsVorschriften nutzen.“

Angesichts der gravierenden und komplexen Mängel geht der BVI von einer längeren Überarbeitungsphase aus. Außerdem dürften die EU-Wahlen im Mai 2019 den Prozess verzögern. Er schlägt daher vor, genügend Zeit einzuplanen und den Starttermin für das PRIIPs-KID um 24 Monate auf Januar 2022 zu verschieben. In der Vergangenheit hat der BVI wiederholt folgende Punkte kritisiert:

Berechnung der Wertentwicklungs-Szenarien: Investmentfonds sollen drei Szenarien zur Wertentwicklung erstellen – allerdings auf Basis von Daten aus der Vergangenheit. Dadurch entstehen Verzerrungen. Beispielsweise werden nach einem mehrjährigen Börsenaufschwung und anschließendem Einbruch der Kurse die Szenarien zu positiv ausfallen und damit die aktuelle Entwicklung ignorieren. Es droht eine bewusste Fehlinformation der Anleger.

Berechnung der Transaktionskosten: Die EU-Kommission hat den Ansatz der europäischen Finanzaufsichtsbehörden und damit eine im Markt unübliche Vorgehensweise zur Berechnung der Transaktionskosten übernommen. Sie will die Differenz zwischen dem tatsächlichen Preis beim Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers und dem „mittleren Marktpreis“ als Transaktionskosten festlegen („Arrival-Price-Methode“). Das führt in weniger liquiden Märkten wie bei Anleihen regelmäßig zu falschen oder sogar negativen Transaktionskosten. Ein Indikator dafür sind die Daten zum Kostenausweis nach MiFID II. Danach können Fonds die Transaktionskosten schon heute nach der Arrival-PriceMethode berechnen. Obwohl erst ein Bruchteil von ihnen davon Gebrauch macht, weisen dadurch schon etwa drei Prozent aller in Europa vertriebenen Fonds negative Transaktionskosten aus. Sollte die Arrival-Price-Methode zwingend für alle Fonds vorgeschrieben werden, dürfte dieser Anteil deutlich höher ausfallen

Derzeit erhalten Privatanleger je nach Vertriebsweg vier verschiedene Dokumente: Die neuen Informationen nach MiFID II, das PRIIPs-KID für Fondspolicen, ein spezielles Produktinformationsblatt zu Riester-Fonds und schließlich das etablierte OGAW-KIID, auch bekannt als „wesentliche Anlegerinformationen“. Letzteres enthält übersichtliche und vergleichbare Informationen für Anleger unter anderem zu Kosten, Wertentwicklung und Risiken des jeweiligen Fonds, soll aber ab 2020 durch das PRIIPs-KID ersetzt werden.

Quelle: BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V., Pressemitteilung vom 09. Mai 2018

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Offener Brief an Herrn Kardinal Rainer Woelki zur Weihnachtsansprache 2017

Kardinal Rainer Woelki

Offener Brief an Herrn Kardinal Rainer Woelki zur Weihnachtsansprache 2017 mit dem Thema „Immobilienspekulation menschenverachtend“

Sehr geehrter Herr Kardinal Woelki,

zum Weihnachtsfest 2017 fand Ihre Predigt vor allem in Form der Passage „Immobilienspekulationen sind menschenverachtend“ großen Widerhall in den überregionalen Medien. Ich würde sogar diese Reaktion vergleichen mit dem Satz des heutigen Papstes „die Wirtschaft tötet“. Kapitalismusbashing ist schließlich en vogue.

Es wird berichtet, dass Sie wörtlich gesagt haben: „…Mehr und mehr Menschen sich Wohnen in unserem an sich wohlhabenden Land nicht mehr leisten können, weil Wohnungen nicht selten ausschließlich zu Renditeobjekten geworden sind und so preiswerter bezahlbarer Wohnraum fehlt. … Das sei zynisch, im Letzten sogar menschenverachtend!“

Natürlich ist es legitim und auch richtig, als Kirchenmann an das soziale Gewissen von Menschen zu appellieren. Besonders glaubhaft ist es dann, wenn man danach selbst lebt. Denn es gilt bekanntlich der Spruch: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Die Fakten:

Im Finanzbericht 2016 des Erzbistums Köln, dem Sie ja vorstehen, werden Immobilien mit einem Bilanzwert von über 600 Millionen Euro ausgewiesen, davon 277 Wohn- und Geschäftsimmobilien. Dass der reale Wert deutlich höher ist, ist den Bilanzrichtlinien geschuldet. In einem Medienbericht des Spiegels aus dem Jahr 2015 wird der aktuelle Wert eines einzigen Mehrfamilienhauses in der Innenstadt von Köln mit 1,4 Millionen Euro taxiert. In diesem Spiegelartikel wird auch die Beteiligung des Erzbistums an 17 Unternehmen herausgestellt, darunter die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft und der Rheinwohnungsbau. Erstere verwaltet rund 25.000 Wohnungen und letztere, an der das Bistum Köln etwa 41,5 Prozent hält, rund 6.000 Wohnungen.

Im einem ARD-Bericht, der heute noch auf YouTube unter dem Titel „Vergelts Gott“ abrufbar ist, wird ausführlich am Beispiel der Immobilien “Dom Forum“ dargestellt, dass die Kölner kirchliche Vermögensverwaltung klassische und legale Steuervermeidungsstrategien über Briefkastenfirmen in Holland wählt. Diese Vorgehensweise ist die von Immobilienspekulanten.

Neben dem Immobilienbesitz des Erzbistums hält sowohl der Erzbischöfliche Stuhl (gemäß einem ZEIT Beitrag aus 2013 verfügt diese Verwaltungseinheit der Kirche einen Besitz von 166 Millionen, rund 10 Prozent in wohnwirtschaftlichen Investments) als auch das Domkapitel separate Real Estate Investments. Wer allein im Erzbischöflichen Stuhl Erträge von fast 10 Millionen Euro (2012) und im Domkapitel von 144.000 Euro (2015) erwirtschaftet, erzielt Renditen, die ihn als Immobilienspekulant auch dort ausweisen.

Hier nun meine Fragen an Sie, verehrter Kardinal Woelki:

Kennen Sie diese Finanzinvestitionen Ihres Bistums vor Ihrer Predigt, wodurch sich das Erzbistum Köln als Immobilienspekulant outet?

Ist deshalb die katholische Kirche in Köln zynisch und menschenverachtend?

Bitte erläutern Sie mir diesen elementaren Widerspruch, den Sie einerseits in der Predigt fordern, andererseits aber in der täglichen Finanzverwaltung Ihres Bistums selbst nicht erfüllen?

Kurz gesagt: Weder tötet die Wirtschaft noch sind Immobilienspekulanten zynisch oder menschenverachtend. Sicher kommt es immer auf die Menschen an, die Verantwortung in Unternehmen und Funktionen tragen. In der Immobilienwirtschaft werden Risiken und Investitionen eingegangen, denen ein bestimmter Ertrag gegenüberstehen muss. In Zeiten schwieriger Marktlagen kommt es nicht selten deshalb auch zu Insolvenzen von Immobilienunternehmen. Und Sie verstehen mich richtig, dass ich dies auch den Vermögensverwaltern der Kirchen zugestehe. Und wenn Papst Alexander VI. über Keuschheit predigte, ist das genauso glaubhaft, wie wenn heute die Kardinäle der Erzbistümer Köln oder München über Armut, Sozialgerechtigkeit oder eben Immobilienspekulation von der Kanzel sprechen.

Die Kirche sollte deshalb durchaus überlegen, auf ihre Privilegien zu verzichten, wie Notargebührvorteile, wie Steuervorteile, wie Verbot von Betriebsräten in kirchlichen Unternehmen usw.. Das wäre weder zynisch und auch nicht menschenverachtend, sondern glaubwürdig.

Wenn ich Zitate wie von Ihnen lese, erinnere ich mich gerne an das Finale des Film „In den Schuhen des Fischers“. Und diese Vision stammt aus dem Jahre 1968!

Ich freue mich auf Ihre Argumente!

Mit freundlichen Grüßen

Edmund Pelikan
Sachverständiger und Publizist für Sachwerte und Investmentvermögen
Gründer der Stiftung Finanzbildung gemeinnützige UG

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PROJEKT LUVEBELLE: INSOLVENZVERFAHREN ÜBER DAS VERMÖGEN DER CONREMINGENIEURE GMBH ERÖFFNET

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Hamburg/München 06. Dezember 2017 – Heute hat Zinsland über das Portal www.insolvenzbekanntmachungen.de Kenntnis darüber erlangt, dass vom Amtsgericht München das Insolvenzverfahren über die CONREM-INGENIEURE GmbH eröffnet wurde und die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis mit der Verfahrenseröffnung vom Geschäftsführer Heinz Michael Groh an den Insolvenzverwalter übergegangen ist.

Zinsland hatte 2016 für das Immobilienprojekt Luvebelle mittels Crowdinvesting 499.500 Euro von 274 Anlegern eingeworben. Die Finanzierung erfolgte investorenseitig durch qualifizierte Nachrangdarlehen. Laut dem Projektinitiator und Gesellschafter Heinz Michael Groh verlief der Bau von 52 Micro-Apartments in Berlin Tempelhof noch im August 2017 planmäßig. Auch weil das Objekt bereits an einen Global-Investor verkauft war, der Kaufpreiszahlungen nach Baufortschritt leistete, traf Zinsland die Nachricht des Insolvenzantrags der Conrem-Ingenieure GmbH beim Amtsgericht München Mitte September unerwartet. Seit Bekanntwerden der Information hat Zinsland auf die Rücknahme des Antrags hingewirkt, jedoch konnte Heinz Michael Groh nicht zu einer Rücknahme bewegt werden. Mit der Eröffnung des Verfahrens hat Zinsland nun keinerlei Einfluss mehr auf den Ausgang. Die Forderungen der 274 Anleger des Projekts Luvebelle wurden dem Insolvenzverwalter übermittelt. Der Insolvenzverwalter wird nun die Ansprüche aller Gläubiger prüfen, um eine möglichst hohe Quote zu realisieren.

Zinsland bedauert sehr, dass Herr Groh sich gegen eine Rücknahme des Insolvenzantrags entschieden hat. Nach wie vor ist der Grund für diese Entwicklung nur in Teilen nachvollziehbar. In den letzten Wochen wurde alles im Einfluss von Zinsland Stehende unternommen, um dieser für alle Beteiligten negativen Entwicklung entgegenzuwirken.

Die Anleger von Zinsland wurden am 06. Dezember 2017 über die Entwicklung im Projekt Luvebelle informiert. Über den Fortgang der Gespräche und die erzielten Ergebnisse werden die Anleger ab sofort mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens vom Insolvenzverwalter informiert gehalten.

Quelle: Beil2 Die PR-Strategen, Pressemitteilung vom 06. Dezember 2017

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Mark my words: Patrizia Grundbesitz – AIF – München, Leopoldstraße 208 – Antworten von Patrizia

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Folgender Bericht wurde von uns im BeteiligungsReport 02-2017 veröffentlicht:

Patrizia Grundbesitz – AIF – München, Leopoldstraße 208

Der Aufwand und die Voraussetzungen der Regulierung sind schon enorm – sowohl für Emissionshäuser als auch für Vertriebe bis hin zur Aufsicht. Als allgemeine Aussage ist festzuhalten: Die Regulierung hat sich gelohnt, da die Anlegersicherheit dadurch erhöht und die Kontrolle verbessert wurden.

Um so erstaunlicher ist, dass ein führender Vertreter im bsi Bundesverband für Sachwerte und Investmentvermögen – Andreas Heibrock – einen Alternativen Investmentfonds auf den Markt bringt, der zahlreiche Fragen aufwirft.

Das Überraschende dabei: Dieses regulierte Investmentvermögen ist durch einige Bankenprüfungen gekommen und wird dort rege vertrieben. Hier einige Fragen, die sich diese Banken scheinbar nicht gestellt hatten:

Wer einen Blick in die Investitionsplanung wirft, dem wird ein Punkt sofort ins Auge springen: Neben der Eigenkapitalvermittlungsgebühr von 2,635 Millionen Euro schlägt eine Finanzierungsvermittlungsgebühr mit 2,2 Millionen Euro bei einem Fremdkapital von 20,75 Millionen Euro heftig zu Buche. Das sind über 10 Prozent. Wie kann das begründet werden?

Die Liquiditätsreserve von 3,677 Millionen Euro liegt zwar bei 6,9 Prozent auf Basis der Gesamtanschaffungskosten, dies sind aber wiederum deutlich über 10 Prozent des Eigenkapitals von 32,6 Millionen Euro. Warum benötigt der Fonds solch eine hohe Liquiditätsreserve? Eine Antwort auf die Liquiditätsfrage ist sicher, dass die anfänglich geringere Miete der Privatschule Bavarian International School e.V. in den ersten Jahren subventioniert wird. Bedeutet das, dass der Anleger in den ersten Mietjahren einen Teil der Miete durch das Eigenkapital an sich selbst zahlt?

Das wirft eine ganz andere Frage auf: Wie kann der Augsburger Gutachter der Ankaufsbewertung einen angemessenen Kaufpreis von 41,7 Millionen Euro bestätigen, wenn die Mieteinnahmen, auf denen das Gutachten basiert, in den Anfangsjahren nicht erwirtschaftet werden, sondern durch den Anleger selbst subventioniert werden?

Trotzdem ist auch die Differenz zwischen dem m. E. zu hoch angesetzten gutachterlichen Wert von 41,7 Millionen Euro und der Gesamtinvestitionssumme von 53,389 Millionen Euro eklatant. Wie kann sich diese Investition überhaupt rechnen?

Apropos Finanzierung: Diese ist zwar mit 0,92 Prozent zu einer interessanten Kondition abgeschlossen, jedoch ist ein Tilgungssatz von einem Prozent hierfür astronomisch zu niedrig. Das bedeutet, dass am Ende der Zinsfestschreibung 30.12.2026 lediglich etwa 10 Prozent getilgt wurden – was etwa 2 Millionen Euro entspricht – und damit bei Weitem nicht einmal die Differenz zwischen gutachterlichem Wert und Gesamtinvestition aufgeholt wurde, die etwa 12 Millionen Euro entspricht. Warum wird der Anleger einem derartigen Risiko ausgesetzt?

Bei all diesen angesprochenen erheblichen Konzeptionsrisiken stellt sich zum Abschluss die Gretchenfrage: Rechtfertigt eine Risikoprämie von 4 Prozent mit wenig Phantasie nach oben diese Anlage? Diese Frage muss jeder Investor für sich selbst entscheiden.

Als langjähriger Marktbeobachter kann ich mich nur wundern, dass ein führender Vertreter des  Sachwerteverbandes, der mantraartig die Qualität der Regulierung besingt, solch einen AIF an den Markt bringt und Anleger mit einem 20-jährigen Mietvertrag und vermeintlichen Sicherheitsbausteinen blendet.


Andreas Menke von Patrizia gab dazu folgende Antworten:

Die Vergütungen für die Finanzierungsvermittlung betragen 4,92 % bezogen auf die anfängliche Nominalsumme der vermittelten Finanzierungen (vgl. hierzu auch bspw. S. 72 des Verkaufsprospekts). Vermittelt wurde ein langfristiges Darlehen (20,75 Mio. Euro) sowie eine Eigenkapitalzwischenfinanzierung (24,0 Mio. Euro). Details hierzu finden Sie auch auf S. 31f des Verkaufsprospekt. Im Zuge einer sachgerechten Berichterstattung sollte stets die Gesamtheit aller Vergütungen betrachtet und mit dem Marktüblichen verglichen werden. Hieraus ergibt sich, dass die an die Kapitalverwaltungsgesellschaft gezahlten Vergütungen für die von ihr erbrachten Dienstleistungen absolut sachgerecht und im Rahmen dessen was üblicherweise für vergleichbare Fonds erhoben wird sind.

Die Höhe der Liquiditätsreserve erklärt sich hauptsächlich durch die sehr wahrscheinliche Anmietung der bisherigen Tankstellenflächen durch den BIS e.V. ab dem Jahr 2022. Detaillierte Annahmen hierzu sowie zu den kalkulierten Kosten finden Sie auf S. 78 des Verkaufsprospekts.

Im Rahmen des Kaufvertrags wurde mit dem Verkäufer ein Immobilienwert von 41,46 Mio. Euro vereinbart. Von diesem wurden die entgangenen Mieteinnahmen, die durch die Staffelmietvereinbarung mit dem BIS e.V. in den Jahren 2017 und 2018 im Vergleich zum ersten „vollen“ Mietjahr 2019 entstehen  vom Kaufpreis abgezogen. Alternativ hätte auch die komplette Summe an den Verkäufer ausbezahlt werden können, damit dieser sie in monatlichen Raten an die Fondsgesellschaft als Mietgarantie zahlt. Wir haben uns für die aus unserer Sicht vorteilhaftere Variante entschieden die Summe vom Kaufpreis einzubehalten. Dies hat zum Einen vorteilhaftere steuerliche Effekte und zum Anderen ist damit sichergestellt, dass der AIF bereits per heute über die Summe verfügen kann und nicht auf zutun des Verkäufers angewiesen ist. Details hierzu finden Sie bspw. auf S. 26 des Verkaufsprospekts. Auch bestehen kaufvertragliche Verpflichtungen für den Fall, dass es zu einer ungeplanten Erhöhung der Mietzahlungen des BIS kommt, dass diese als Kaufpreiserhöhung an den Verkäufer zu leisten sind. Daher ist es aus Gründen der kaufmännischen Vorsicht nötig diesen Betrag in der Liquiditätsreserve vorzuhalten. Details hierzu finden Sie bspw. auf S. 24 des Verkaufsprospekts. De facto handelt es sich hierbei um eine marktübliche Mietgarantie, die jedoch nicht die üblichen Nachteile einer Mietgarantie aufweist.

Das Wertgutachten weißt einen Wert aus, der rd. 240.000 Euro über dem vereinbarten Immobilienwert der Transaktion liegt. Unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen bzgl. des Kaufpreisabzugs der Mietgarantie können wir keinerlei Widersprüche erkennen. Wenn die Mieteinnahmen in voller Höhe flössen, wäre der finale Kaufpreis bei 41,46 Mio. Euro. Dadurch dass die Summe der  Mietgarantie vom Kaufpreis abgezogen wird beträgt der Kaufpreis derzeit rd. 40,0 Mio. Euro. Dies entspricht der üblichen konsistenten Herangehensweise für derartige Transaktionen und steht im Einklang mit dem Wertgutachten.

Die Höhe der Gesamtinvestitionskosten berücksichtigen neben der Ankaufsnebenkosten (bspw. Grunderwerbsteuer) sowie den marktüblichen Honoraren auch die Bildung einer sachgerechten Liquiditätsreserve in Höhe von rd. 3,7 Mio. Euro. Da diese Summe wie dargelegt zum geplanten Umbau der Tankstellenfläche in Büro-/Schulflächen für die BIS verwendet werden soll, stellt diese ein wertsteigernde Investition dar und führt in der Folge zu signifikanten Mietsteigerungen und zu einem Wertzuwachs der Immobilie.

Bereits zur Auflage des Fonds beträgt die Fremdkapitalquote des AIF nach Einwerbung des Eigenkapitals lediglich 38,9%. Inwiefern eine höhere Tilgung als 1% p.a. sachgerecht sein soll erschließt sich uns nicht. Durch den geplanten Umbau der Tankstellenflächen ist von einer Wertsteigerung der Immobilie auszugehen mit entsprechender Auswirkung auf die Fremdkapitalquote. Höhere Tilgungen führen dazu, dass der Anleger ein höheres steuerliches Ergebnis zugewiesen bekommt und daher mehr Steuern bezahlen muss. Eine höhere Tilgung reduziert daher lediglich das Risiko der Bank, jedoch nicht das des Anlegers da keinerlei Covenants in den Darlehensverträgen vereinbart sind. Wie Sie richtig anmerken ist die Fremdfinanzierung zu „interessanten Konditionen“ abgeschlossen. Sei es der Zins oder die nicht vorhandenen Covenants, so hat das finanzierende Institut das Konzept als äußerst tragfähig eingestuft, sonst wären derlei Konditionen nicht möglich.

 

 

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Griechenland hat gewählt – 1:0 gegen die europäische Finanzpolitik

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Landshut, 26.01.2015 – Eine kleine Presseschau zur Griechenlandwahl am Morgen danach:

Spiegel online titelt (26.01.2015 um 03.15 Uhr): „Die Griechen haben Angela Merkel abgewählt“ und berichtet aus Brüssel: „Als erste Reaktion haben die Sozialdemokraten im Europaparlament Tsipras aufgefordert, eine proeuropäische Koalition zu bilden. Die Neuverhandlung der hohen griechischen Staatsschulden sollte kein Tabu mehr sein, erklärte der Fraktionsvorsitzende Gianni Pittella in Brüssel. „Die Griechen haben sich deutlich dafür entschieden, mit dem harten Sparkurs zu brechen“, so der italienische Sozialdemokrat.“

Stern Online schreibt (26.01.2015 um 06.00 Uhr): „Mit seinem populären Mix aus Schuldzuweisungen und Heilsbotschaften hat es der 40-Jährige (Alexis Tsipras) geschafft, ein Drittel des griechischen Wahlvolks hinter sich zu versammeln. … Den Rentnern versprach er eine dreizehnte Monatsauszahlung, den Eigenheimbesitzern die Abschaffung der Immobiliensteuer – eines jener von der Troika erzwungenen Instrumente, mit denen das Staatsdefizit verringert werden soll. Unerheblich für Syriza, dass in fast allen europäischen Ländern so etwas wie die Grundsteuer Alltag ist“. Als Fazit zieht Stern online: „Letztlich muss auch ein Tsipras die Luft aus seinen Phrasen lassen. Am Ende hilft nur Pragmatismus. „Die Hoffnung kommt“, lautet der Syriza-Slogan. Willkommen im wahren Leben, Herr Tsipras.“

Die Süddeutsche kommentiert (26.01.2015 um 07.37 Uhr): „Die Griechen sind wütend. Sie wählen Syriza, sie wählen Alexis Tsipras. Der hat sein Rebellenimage kultiviert. Jetzt rechnen viele damit, dass er einen Purzelbaum schlägt, wie die Griechen das nennen. Seine Kehrtwende hat schon begonnen.“

Die Kommentatorin Christiane Schlötzer ist überzeugt:
„In Berlin und Brüssel aber wird man zugeben müssen, dass die Griechenland-Rettung noch kein Erfolg war, auch wenn sich das Kanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister gewünscht hatten. Schönreden hilft eben nicht, so wenig wie die vielen guten Ratschläge von außen, wenn die verlangten Reformen in den Händen derer liegen, die für das alte Schlamassel maßgeblich mitverantwortlich sind.“

Die WELT dreht die Richtung der Berichterstattung (26.01.2015 um 09:41 Uhr): „Griechenland hat gewählt: Syriza ist stärkste Partei und ihr Chef Alexis Tsipras muss sich nun beweisen. Es spricht einiges dafür, dass er am Ende liefern könnte, was niemand von ihm erwartet.“ Und prophezeit „Das Linksbündnis muss nun beweisen, ob es sich traut mit der alten Klientelpolitik zu brechen. Wenn Syriza die absolute Mehrheit verfehlt, wird die Partei zudem einen Koalitionspartner brauchen. Der wird entweder die linke Kompromissbereitschaft fördern – oder wenigstens als Sündenbock herhalten, wenn Tsipras den Ewiggestrigen in seiner Partei den proeuropäischen Kursschwenk verkaufen muss.“

Das Handelsblatt titelt (26.01.2015 um 07:49 Uhr / 09:32 Uhr): „Euro hält den Atem an“ und erläutert: Die Reaktion war heftig, aber kurz: Für wenige Sekunden fiel der Kurs des Euro nach dem Syriza-Wahlsieg unter die Marke von 1,11 Dollar. Die Furcht vor einem Wiederaufflammen der Euro-Krise wächst.“ Die Redaktion zitiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Der Wahlsieg der Linken bedeutet, dass der Euro-Raum bei der Lösung der Staatschuldenkrise auf halber Strecke stehen bleibt.“ Der Druck auf die EZB wachse, die ungelösten Probleme durch eine massive Abwertung des Euro zu übertünchen, so Krämer. Dreh- und Angelpunkt ist derzeit der charismatische Frontmann das Linksbündnisses. Aber Tsipras signalisierte den EU-Partnern noch in der Wahlnacht Gesprächsbereitschaft für eine „gerechte und praktikable Lösung“ beim Umgang mit den Schulden und dem Sparkurs.

Quelle: BeteiligungsReport Presseschau

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Wer braucht jetzt Schiffsfonds?

Kommentar von Edmund Pelikan

Landshut, 15.01.2015 – Anfang 2015 ist eine Pressemeldung über die Ticker gelaufen, dass wieder Schiffsfonds auf den Markt kommen werden. Doric als KVG und die Oltmann‎ Gruppe als Asset Manager wollen 2015 tatsächlich maritime Anlagen an Endkunden verkaufen. Sicherlich zwei seriöse Häuser‎ – aber haben diese den richtige Zeitpunkt gewählt?

Wir sind nun im sechsten, siebten oder sogar achten Jahr, je nach Schiffsgattung, in der Schiffskrise. Ist das wirklich ein Anlegermarkt für Publikumsinvestoren? Natürlich kenne ich die Argumente des antizyklischen Investierens und ich benutze sie selbst. Ich sehe es aber trotzdem sehr kritisch. ‎Wir gehen von einer Schiffsfondspleite zur anderen und es werden noch einige kommen. Viele Anleger haben viel Geld verloren und werden immer noch zur Kasse gebeten. Allein der Unterschiedsbetrag der Tonnagesteuer reißt Löcher in die Privatanlegertaschen bei Schiffsauflösungen. Zu viele Emissionshäuser und Banken haben sich nicht mit Ruhm bekleckert und sind bei Problemen nicht an der Seite der Investoren gestanden. Auch sind manche kürzlich aufgelegte Fonds, die die Chancen der maritimen Finanzenkrise ‎nutzen wollten, inzwischen wieder pleite oder in schwierigem Fahrwasser – explizit ist hier die MS „King Jacob“ aus dem Schifffahrts Investment 1 von König & Cie zu nennen. Kurz: Es handelt sich um eine Wette und noch dazu um eine hochspekulative.

Das Vertrauen‎ der Anleger in Schiffsfonds ist nicht mehr da. Es muss hier erst wieder der Weg mühsam und langsam bereitet werden. Die Gefahr ist, dass Anleger den spekulativen Charakter des Investments nicht erkennen und auch nicht erklärt bekommen. Die Folge wäre, dass das zarte Pflänzchen des weißen Kapitalsmarktes für Sachwertinvestments im Rahmen des KAGB jäh gestört wird. Die Schiffsfinanzierungsbranche hat erst viele Hausaufgaben zu machen, bevor ein – und das kann ich durchaus betonen – positiver Marktteilnehmer einen neuen Anlauf wagen sollte.

Ich bin gespannt, wie das Fondskonzept sein wird, aber ‎wenn es nicht ein Produkt nur für Profis wird, glaube ich, dass man der Sachwertebranche keinen Dienst damit erweisen wird.

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